20 Jahre Mauerfall - Zeitzeugen zu Gast in NRWPünktlich zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution 1989 und der Wende organisierte das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk eine spannende Reihe von Zeitzeugen-Besuchen in Nordrhein-Westfalen. Auf dieser Seite finden Sie Spuren des Projekts.
20 Jahre Mauerfall - Erinnerungen an einen gemeinsamen Neuanfang„20 Jahre Mauerfall – Erinnerungen an einen gemeinsamen Neuanfang“ heißt die 22 Seiten starke Din-A-4 Dokumentation zum Zeitzeugenprojekt in Nordrhein-Westfalen im November 2009, die im Juli 2010 erschienen ist. Zeitzeugen aus der früheren DDR hatten vor Schulklassen und Kirchengemeinden über ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen berichtet. Sigrid Paul und Lothar Lienicke im InterviewEinen Eindruck von den Berichten der Zeitzeugen vermittelt diese Kurzfassung eines Interviews, das Heiko Hamer (l.), Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule im IBB, am Dienstag, 3. November 2009, mit Sigrid Paul und Lothar Lienicke führte. Video: Jürgen Gorgol / IBB Radio-Interview mit Zeitzeugen zum NachhörenDer Dortmunder Lokalfunk-Sender Radio Do 91,2 sendete am Donnerstag, 5. November 2009, einen Beitrag über das Zeitzeugen-Projekt des IBB zum Jahrestag "20 Jahre Mauerfall": Arndt Morgenroth, Pfarrer im Ruhestand, und seine Frau Barbara waren in der Mittagszeit im Studio zu Gast zu einem Interview mit Redakteur Markus Bauer. Ausgestrahlt wurde der Beitrag wenig später am frühen Nachmittag in der Sendung "Dortmund heute" (täglich von 15 bis 18 Uhr).
Radio Do 91,2 hat die beiden Beiträge freundlicherweise zur Nutzung auf unserer Website zur Verfügung gestellt.
Zum Mitschnitt des zweiten Beitrags geht es hier. 04.11.2009 Gelungener Auftakt zum Zeitzeugen-Projekt in den Schulen„Am Anfang erwarten die Schüler ein Abenteuer, dann werden sie nachdenklich und dann sind sie bereit zu hinterfragen.“ Eine positive Zwischenbilanz zog Sigrid Paul, Ostberlinerin des Jahrgangs 1934, zusammen mit Lothar Lienicke, Buchautor aus Hamburg, gleich nach ihrem ersten Tag in nordrhein-westfälischen Schulen. Sie stellten - stellvertretend für die beteiligten acht Zeitzeugen der DDR-Geschichte und der friedlichen Revolution 1989 - am Dienstag, 3. November, gemeinsam mit IBB-Geschäftsführerin Elke Wegener und Heiko Hamer, Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule, das aktuelle Zeitzeugen-Projekt des IBB e. V. in Dortmund der Öffentlichkeit vor.
In 23 Gesprächsrunden in NRW zwischen Dinslaken und Hagen berichten die Zeitzeugen aus ihrem Leben ... und lassen es sehr still werden in Schul- und Gemeinderäumen. Kein Wunder: Ihre Lebensgeschichten spiegeln Zeitgeschichte. Begriffe wie Stasi und IM, Todesstreifen und Selbstschussanlagen werden anschaulich, die Folgen von Bespitzelung und Willkür für den einzelnen nachfühlbar.
„Ich wäre vielleicht nie in die Mühlen der Justiz geraten, wenn nicht mein Kind krank gewesen wäre“, erinnert sich Sigrid Paul heute: Ihre Geschichte, wie sie von ihrem schwer kranken Säugling im West-Krankenhaus durch den Mauerbau tragisch getrennt wird und schließlich wegen Beihilfe zur Flucht zu vier Jahren Haft verurteilt wird, hat sie im Buch „Mauer durchs Herz“ aufgeschrieben. Wegen des kranken Sohnes fassten die jungen Eltern einen Fluchtplan, verwarfen ihn aber. Allein der Umstand, dass das Ehepaar drei befreundeten Studenten - die fliehen wollten - Unterkunft gewährte, wertete die DDR-Justiz als Beihilfe zur Republikflucht.
„Ich selbst finde meine eigene Lebensgeschichte nicht so erzählenswert, ich erzähle lieber andere“, sagt Lothar Lienicke. Er war 1971 in den Westen gekommen – freigekauft nach zehnjähriger Haft in der DDR. Als Fluchthelfer aktiv, baute er zusammen mit seinem Freund Michael Gartenschläger Selbstschussanlagen ab - zum Beweis ihrer Existenz. „Als wir sie den Medien präsentierten, wurden wir hier strafrechtlich verfolgt“, erzählt er kopfschüttelnd. Beim Versuch, den dritten „Todesautomaten“ zu demontieren, wurde Gartenschläger in der Nacht zum 1. Mai 1976 an der innerdeutschen Grenze von DDR-Grenzern erschossen. Seine Geschichte erzählt das Buch „Todesautomat“, das übrigens am Sonntag, 8. November, um 20.15 Uhr im ZDF-Kanal neo ausgestrahlt wurde.
„Wir haben jüngere wie ältere Zeitzeugen aus dem politischen und kirchlichen Spektrum eingeladen“, sagt Heiko Hamer, Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule beim IBB. „Wir möchten damit einen Impuls geben zur Beschäftigung mit der jüngsten deutschen Geschichte.“
„Gerade in Zeiten der Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit möchten wir auch zeigen, dass Demokratie vom Mitmachen lebt“, ergänzt Elke Wegener. In den Schulbesuchen kommt diese Botschaft gut an. Bis Donnerstag laufen die Schulbesuche, danach wird es in einigen Klassen noch Nachbesprechungen geben.
Unterstützt wird das Projekt von der Landeszentrale für politische Bildung und vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V..
Alle Termine in NRW auf einen BlickMontag, 2.11.2009: Bochum, Albert-Einstein-Gymnasium, Querenburger Str. 45, 14.30 bis 16 Uhr, Thomas Pilz und Arndt Morgenroth. Dienstag, 3. 11.2009:
Donnerstag, 5.11.2009: Dortmund, Wilhelm-Rein-Förderschule, CAstroper Str. 121, 8 bis 9.30 Uhr, Zeitzeuge Anrdt Morgenroth
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