20 Jahre Mauerfall - Zeitzeugen zu Gast in NRW

Pünktlich zum 20. Jahrestag der friedlichen Revolution 1989 und der Wende organisierte das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk eine spannende Reihe von Zeitzeugen-Besuchen in Nordrhein-Westfalen. Auf dieser Seite finden Sie Spuren des Projekts. 

 

20 Jahre Mauerfall - Erinnerungen an einen gemeinsamen Neuanfang

„20 Jahre Mauerfall – Erinnerungen an einen gemeinsamen Neuanfang“ heißt die 22 Seiten starke Din-A-4 Dokumentation zum Zeitzeugenprojekt in Nordrhein-Westfalen im November 2009, die im Juli 2010 erschienen ist. Zeitzeugen aus der früheren DDR hatten vor Schulklassen und Kirchengemeinden über ihre unterschiedlichen Lebenserfahrungen berichtet.

Die jetzt vorgestellte Dokumentation beschreibt das Konzept und auch die positiven Einschätzungen von Lehrern, Schülern und den beteiligten Zeitzeugen. Ein Ausblick widmet sich der geplanten Neuauflage  des Zeitzeugen-Projekts im Herbst 2010 zum Thema „20 Jahre deutsche Einheit“. Die Dokumentation kann ab sofort beim IBB bestellt werden (kostenlos) unter der Rufnummer 0231-952096-0 oder online hier

Sigrid Paul und Lothar Lienicke im Interview

Einen Eindruck von den Berichten der Zeitzeugen vermittelt diese Kurzfassung eines Interviews, das Heiko Hamer (l.), Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule im IBB, am Dienstag, 3. November 2009, mit Sigrid Paul und Lothar Lienicke führte. Video: Jürgen Gorgol / IBB

Radio-Interview mit Zeitzeugen zum Nachhören

Zeitzeuge Arndt Morgenroth (l.) mit seiner Frau Barbara im Studio des Lokalfunksenders Radio Do 91,2 in Dortmund mit Redakteur Markus Bauer (r.). Foto: Schütze/ IBB

Der Dortmunder Lokalfunk-Sender Radio Do 91,2 sendete am Donnerstag, 5. November 2009, einen Beitrag über das Zeitzeugen-Projekt des IBB zum Jahrestag "20 Jahre Mauerfall": Arndt Morgenroth, Pfarrer im Ruhestand, und seine Frau Barbara waren in der Mittagszeit im Studio zu Gast zu einem Interview mit Redakteur Markus Bauer. Ausgestrahlt wurde der Beitrag wenig später am frühen Nachmittag in der Sendung "Dortmund heute" (täglich von 15 bis 18 Uhr).  

 

Radio Do 91,2 hat die beiden Beiträge freundlicherweise zur Nutzung auf unserer Website zur Verfügung gestellt.  

Zum Mitschnitt des ersten Beitrags geht es hier.

 

Zum Mitschnitt des zweiten Beitrags geht es hier.

04.11.2009

Gelungener Auftakt zum Zeitzeugen-Projekt in den Schulen

Heiko Hamer, Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule im IBB, im Gespräch mit Sigrid Paul und Lothar Lienicke.

Sigrid Paul hat ihre Lebensgeschichte in dem Buch "Mauer durchs Herz" niedergeschrieben. Den Schülern präsentiert sie auch Dokumente wie zum Beispiel die Kopie ihres "Haftbeschlusses".

„Am Anfang erwarten die Schüler ein Abenteuer, dann werden sie nachdenklich und dann sind sie bereit zu hinterfragen.“ Eine positive Zwischenbilanz zog Sigrid Paul, Ostberlinerin des Jahrgangs 1934, zusammen mit Lothar Lienicke, Buchautor aus Hamburg, gleich nach ihrem ersten Tag in nordrhein-westfälischen Schulen. Sie stellten - stellvertretend für die beteiligten acht Zeitzeugen der DDR-Geschichte und der friedlichen Revolution 1989 - am Dienstag, 3. November, gemeinsam mit IBB-Geschäftsführerin Elke Wegener und Heiko Hamer, Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule, das aktuelle Zeitzeugen-Projekt des IBB e. V. in Dortmund der Öffentlichkeit vor.

 

In  23 Gesprächsrunden in NRW zwischen Dinslaken und Hagen berichten die Zeitzeugen aus ihrem Leben ... und lassen es sehr still werden in Schul- und Gemeinderäumen. Kein Wunder: Ihre Lebensgeschichten spiegeln Zeitgeschichte. Begriffe wie Stasi und IM, Todesstreifen und Selbstschussanlagen werden anschaulich, die Folgen von Bespitzelung und Willkür für den einzelnen nachfühlbar.

 

„Ich wäre vielleicht nie in die Mühlen der Justiz geraten, wenn nicht mein Kind krank gewesen wäre“, erinnert sich Sigrid Paul heute: Ihre Geschichte, wie sie von ihrem schwer kranken Säugling im West-Krankenhaus durch den Mauerbau tragisch getrennt wird und schließlich wegen Beihilfe zur Flucht zu vier Jahren Haft verurteilt wird, hat sie im Buch „Mauer durchs Herz“ aufgeschrieben. Wegen des kranken Sohnes fassten die jungen Eltern einen Fluchtplan, verwarfen ihn aber. Allein der Umstand, dass das Ehepaar drei befreundeten Studenten - die fliehen wollten - Unterkunft gewährte, wertete die DDR-Justiz als Beihilfe zur Republikflucht.

„Auf dem Weg zur Arbeit wurde ich gekidnappt und 22 Stunden lang verhört“, erzählt die Ost-Berlinerin. Das ursprüngliche Strafmaß sei von dreieinhalb auf vier Jahre erhöht worden - durch eine handschriftliche Notiz.  „Das alles klingt heute unglaubwürdig, aber in einer Diktatur war es möglich“, sagt sie bitter und zeigt zum Beweis die Kopien der Akten aus der Stasi-Unterlagenbehörde, die sie selbst erst Jahrzehnte später zum ersten Mal sah.

 

„Ich selbst finde meine eigene Lebensgeschichte nicht so erzählenswert, ich erzähle lieber andere“, sagt Lothar Lienicke. Er war 1971 in den Westen gekommen – freigekauft nach zehnjähriger Haft in der DDR. Als Fluchthelfer aktiv, baute er zusammen mit seinem Freund Michael Gartenschläger Selbstschussanlagen ab - zum Beweis ihrer Existenz. „Als wir sie den Medien präsentierten, wurden wir hier strafrechtlich verfolgt“, erzählt er kopfschüttelnd. Beim Versuch, den dritten „Todesautomaten“ zu demontieren, wurde Gartenschläger in der Nacht zum 1. Mai 1976 an der innerdeutschen Grenze von DDR-Grenzern erschossen. Seine Geschichte erzählt das Buch „Todesautomat“, das übrigens am Sonntag, 8. November, um 20.15 Uhr im ZDF-Kanal neo ausgestrahlt  wurde.

 

„Wir haben jüngere wie ältere Zeitzeugen aus dem politischen und kirchlichen Spektrum eingeladen“, sagt Heiko Hamer,  Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule beim IBB. „Wir möchten damit einen Impuls geben zur Beschäftigung mit der jüngsten deutschen Geschichte.“

 

„Gerade in Zeiten der Politikverdrossenheit und Wahlmüdigkeit möchten wir auch zeigen, dass Demokratie vom Mitmachen lebt“, ergänzt Elke Wegener. In den Schulbesuchen kommt diese Botschaft gut an. Bis Donnerstag laufen die Schulbesuche, danach wird es in einigen Klassen noch Nachbesprechungen geben.

 

Unterstützt wird das Projekt von der Landeszentrale für politische Bildung und vom Evangelischen Erwachsenenbildungswerk Westfalen und Lippe e. V..

Und übrigens: Sigrid Paul war am Sonntag, 8. November, in der ZDF-Sendung Mona Lisa zu sehen. 

 

 

Alle Termine in NRW auf einen Blick

Montag, 2.11.2009:
Dinslaken
, Gustav-Heinemann-Gymnasium, Kirchstraße 63, 8 bis 9.30 Uhr, Zeitzeugen Sigrid Paul und Lothar Lienicke,
Dinslaken, Gustav-Heinemann-Gymnasium, Kirchstraße 63, 9.45 bis 11 Uhr, Zeitzeugen Sigrid Paul und Lothar Lienicke,
Recklinghausen, Alexandrine-Berufskolleg, Werkstättenstraße 16 bis 18, 11 bis 13 Uhr, Zeitzeugen  Almut Michael und Hannelore Schütz,
Dortmund, Fachseminar für Altenpflege, Mergelteichstraße 47, 13.30 bis 15 Uhr, Zeitzeuge Andreas Schönfelder,
Lünen, Geschwister-Scholl-Gesamtschule, Holtgrevenstraße 2 -6, 14.15 bis 15.50 Uhr, Zeitzeugen Frau Paul, Lothar Lienicke,

Bochum, Albert-Einstein-Gymnasium, Querenburger Str. 45, 14.30 bis 16 Uhr, Thomas Pilz und Arndt Morgenroth. 
 

Dienstag, 3. 11.2009:
Hamm
, Sophie-Scholl-Gesamtschule, Stefanstr. 42, 9.55 bis 11.30 Uhr, Zeitzeuge Arndt Morgenroth,
Lünen, Geschwister-Scholl-Gesamtschule, 12 bis 13.30 Uhr, Zeitzeugen Andreas Schönfelder, Almut Michael, Hannelore Schütz,
Dortmund, 11.30 bis 12.45 Uhr: Heisenberg-Gymnasium, Preußische Straße 225, Zeitzeuge Thomas Pilz.

Mittwoch, 4. 11.2009:
Lünen
, Geschwister-Scholl-Gesamtschule Lünen, Holtgrevenstraße 2 - 6,  8.10 bis 9.45 Uhr, Zeitzeugen Frau Paul und Almut Michael,
Hagen, Christian-Rohlfs-Gymnasium, Ennepeufer 1-3, 7.45 bis 9.25 Uhr, Zeitzeuge Andreas Schönfelder
Bochum, Albert-Einstein-Gymnasium, Querenburger Str. 45, 8.15 bis 9.45 Uhr und 10.05 bis 11.40 Uhr, Arndt Morgenroth,
Castrop-Rauxel, Willy-Brandt-Gesamtschule, Bahnhofstr. 160, 8 bis 9.35 Uhr und 10 bis 11.35 Uhr, Zeitzeugen Thomas Pilz und Lothar Lienicke,
Castrop- Rauxel, VHS, 14.30 bis 16 Uhr, Zeitzeugin Hannelore Schütz.

 

Donnerstag, 5.11.2009:
Bochum
, Walter-Gropius-Berufskolleg, Ostring, 9.15 bis 10.45 und 11 bis 12.30 Uhr, Thomas Pilz,
Essen, Freie Waldorfschule, Schellstr. 47, 11.45 bis 13 Uhr, Almut Michael und Hannelore Schütz,

Dortmund, Wilhelm-Rein-Förderschule, CAstroper Str. 121, 8 bis 9.30 Uhr, Zeitzeuge Anrdt Morgenroth
Dortmund, Max-Planck-Gymnasium, Ardeystr. 70 - 72, 9.50 bis 11.25 Uhr, Zeitzeuge Andreas Schönfelder,
Hagen, Christian-Rohlfs-Gymnasium, Ennepeufer 1-3, 11.35 bis 13 Uhr, Zeitzeuge Lothar Lienicke.,
Herdecke, Zivildienstschule Herdecke, Ostender Str. 21, 14 bis 15.30 Uhr, Zeitzeugen Lothar Lienicke und Thomas Pilz,
Dortmund, Droste-Hülshoff-Realschule, Bockenfelder Str. 58, 14 bis 15.30 Uhr, Zeitzeugen Almut Michael und Hannelore Schütz,
Dortmund, Kirchengemeinde Marten, ab 17 Uhr, Zeitzeuge Arndt Morgenroth.

 

Schnell zum Ziel

10. Jugendkonferenz im Rahmen des Regionalen Weimarer Dreiecks...mehr

IBB "Johannes Rau" Minsk
mehr...

Beiträge zum Kulturhauptstadtjahr. Mehr ...

25 Jahre nach Tschernobyl. mehr...

Geschichtswerkstatt Minsk
mehr...

Internet-Plattform Ost-West-Initiativen mehr...

Förderprogramm Belarus
mehr...

Das deutsch-französische Schülerbegegnungsprojekt "Allons plus loin! - Weiter so!" ...mehr

Arbeitsschwerpunkte und Projekte mehr ...

ewoca³ - Förderprogramm
für Jugendeinrichtungen
 mehr...


Die Zeitschrift Belarus Perspektiven... mehr 

 

Das IBB unterstützt die Weiterbildungsoffensive NRW mehr...