Aktuelles aus dem Fachbereich Jugend und Schule

An dieser Stelle finden Sie aktuelle Informationen aus dem Fachbereich Jugend und Schule zu Terminen, Fördermitteln, Projekten und und und. Falls Sie mit Schülern  oder Jugendlichen arbeiten, schauen Sie doch einfach mal öfter vorbei!

15.05.2012

Jetzt bewerben: TRADO-net startet Umweltprojekt in der Türkei

Eine tolle Gelegenheit bietet das IBB Dortmund für zwölf junge Erwachsene aus Dortmund im Alter zwischen 18 und 26 Jahren: TRADO-net, das Jugendnetzwerk Trabzon-Dortmund, plant in der Zeit vom 8. bis 16. Oktober 2012 ein deutsch-türkisches Umweltprojekt in der Türkei. Bewerbungen sind ab sofort möglich. Bewerbungen sind noch möglich.

Das Jugendnetzwerk Trabzon-Dortmund – eine Initiative des IBB Dortmund – hatte im Jahr 2010 erstmals 24 Jugendliche aus der Westfalenmetropole Dortmund und der türkischen Metropole Trabzon am Schwarzen Meer zusammengebracht. Auf den ersten Besuch in Trabzon war der erste Gegenbesuch in Dortmund gefolgt. Jugendliche aus der Türkei erlebten das Ruhrgebiet im Strukturwandel. Die Jugendlichen aus  Dortmund erkundeten die Schwarzmeerregion, die bekannt ist für Haselnüsse und ihren Teeanbau. In diesem Jahr geht der Dialog in Kooperation mit der Projektpartnerschaft der Stadt Dortmund mit einem Umweltprojekt zur nachhaltigen Entwicklung weiter.

Projektthema „Umwelt“ wird konkret

Alternative und erneuerbare Energien, der Umgang mit Müll, Meeresverschmutzung und die Einstellung der Bevölkerung zum Thema „Umwelt“ sind mögliche Themen für den Besuch in Trabzon. Das dortige Jugendzentrum, langjähriger Partner des IBB Dortmund, wird wieder Gastgeber sein und gemeinsam mit dem IBB und den Jugendlichen am „Feintuning“ für den Austausch feilen. Ziel des diesjährigen Besuchs ist es, sich gemeinsam mit türkischen Jugendlichen vor Ort für die Umweltsituation zu sensibilisieren und Veränderungsbedarf und Verbesserungsmöglichkeiten zu erforschen. Außerdem lernen die Jugendlichen, wie internationale thematische Projekte entwickelt werden können und planen die Projekte für die Folgejahre.

Lernen aus dem Blick über den Tellerrand

Ein positiver Effekt des Jugendaustausches ist das interkulturelle Lernen. Wie denken, fühlen, lernen junge türkische Menschen am Schwarzen Meer, wie lebt man in Dortmund? Sind die gegenseitigen Bilder und Vorstellungen von einander richtig und was gibt es an Neuem zu entdecken? Der Jugendaustausch im Netzwerk öffnet den Blick in die Welt für gemeinsame Zukunftsaufgaben trotz Verschiedenheit in Sprache und Kultur. „Solche Jugendbegegnungen sind ein Gewinn, der nicht mit Geld zu bezahlen ist“, weiß Hildegard Azimi-Boedecker, Leiterin des Fachbereichs Beruf international und Migration, aus vielen Gesprächen.   

Noch Plätze frei

Die Dortmunder Jugendgruppe sucht noch Verstärkung. Interesse an Umweltthemen und kreative Mitarbeit der jungen Dortmunderinnen und Dortmunder werden erwartet! Grundkenntnisse der englischen Erfahrungen sind erforderlich, türkische Sprachkenntnisse wünschenswert. Die Teilnahme kostet 50 Euro (inklusive Flug ab Düsseldorf, Unterkunft, Verpflegung und Programm).

Kreative Bewerbungen sind per E-Mail zu richten an Hildegard Azimi –Boedecker, Leiterin des Fachbereichs Beruf international und Migration oder an Deniz Simsek.

Telefonische Auskunft außerdem unter der Rufnummer 0231-952096-25 (Frau Azimi) oder 0231-952096-23 (Frau Simsek).

Die Ausschreibung finden Sie hier.

Weitere Informationen zum Jugendnetzwerk TRADO-net finden Sie hier.

03.12.2011

Tage in Auschwitz und Birkenau ... ein bewegendes Tagebuch einer Schülergruppe aus der Janusz-Korczak -Gesamtschule in Castrop-Rauxel

Das Bild haben wir ausgesucht, weil es ein Sinnbild für die Bedrückung ist, die wir fühlen. (Schülerzitat vom ersten Tag)

Seit zwei Tagen ist die Gruppe unserer Schule nun in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz in Polen. Nach vielen Wochen Vorbereitung durch ihre Geschichtslehrer betreten die Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 10 und der Oberstufe diesen Ort, an dem bis in den Januar 1945 schrecklichste Verbrechen begangen wurden. Gedenkstättenfahrten - organisiert durch das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk (IBB Dortmund)- gehören seit Jahren zum Angebot der Gesamtschule. Der Namensgeber der Schule - Janusz-Korczak - war selbst Opfer der Nazi-Diktatur und starb 1942 im Konzentrationslager Treblinka, in das er zusammen mit den Kindern des von ihm geleiteten Waisenhauses deportiert worden war. Nach ihm wurde die Ickerner Gesamtschule benannt.

Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist die Gruppe unserer Janusz-Korczak-Gesamtschule schon auf dem Weg zum Flughafen, um die Rückreise ins Ruhrgebiet anzutreten. Eine intensive und gute Zeit liegt hinter ihnen. Zum Abschluss besuchten sie die Stadt Krakau, wo sie polnische Schüler aus der gleichnamigen Schule vor Ort trafen. Sie lernten sogar ein paar Worte hebräisch und schlenderten gemeinsam über den Weihnachtsmarkt ...

Der vierte Tag (3.12.)

Frühstück um sieben, Koffer einladen, Abfahrt um acht. Alle sind pünktlich. Noch eine Stunde bis Krakow (Krakau). Koffer in einem Raum abstellen. Abfahrt zur Altstadt, die wir bereits bei einem ersten Blick durch die Busfenster gesehen haben.

Vorbei an der Wawelburg, entlang des Kreuzes für die Opfer von Katyn, der Universität, dem Bischofssitz, Kantor (Wechselstube), über den kleinen Weihnachtsmarkt (Weihnachtsmärkte sind in Polen nicht üblich) zum jüdischen Museum.

Dort treffen wir eine polnische Schülergruppe aus Tarnow, die so wie wir an einer Schule mit dem Namen „Janusz Korczak“ gemeinsam lernen und leben. Wir bilden gemischte Gruppen und lernen Hebräisch sowohl schreiben als auch sprechen. Danach besichtigen wir die letzte noch aktiv genutzte Synagoge und den jüdischen Friedhof.

Wir erfahren, dass heute nur noch ungefähr 100 Menschen aktiv am Gemeindeleben der jüdischen Gemeinde in Krakow teilnehmen.

Nach einem „kleinen Imbiss“ lernen wir etwas über das Judentum und fertigen in gemischten Gruppen Plakate über das Gelernte an. Adressen werden ausgetauscht, erste Freundschaften geknüpft.

Deutsche und polnische Schülerinnen und Schüler kommen sich näher und gehen gemeinsam über den Weihnachtsmarkt oder in die Galeria Krakowska.
Ein gemeinsames Abendessen rundet einen ereignisreichen, interessanten und schönen Tag ab. Wir verabschieden uns voneinander – die eine Gruppe fährt mit dem Zug nach Tarnow zurück, wir fahren mit der Straßenbahn zum Hotel. Ein schöner Tag geht zu Ende.

Auschwitz - Tag 3 (2.12.2011)

Der heutige Tag fing  mit dem Zeitzeugengespräch mit Herrn Wilhelm Brasse an. Der 93-jährige, der in wenigen Tagen 94 wird, war 5 Jahre im Stammlager Auschwitz inhaftiert. Er betonte immer wieder, dass es ihm, im Gegensatz zu vielen, dort noch sehr gut ging. Er hatte riesiges Glück, dass es ihm so erging. In Auschwitz sah er Menschen sterben,  nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder, die dort erschossen, totgeprügelt und vergast wurden. Er selbst hatte Glück, dass er als Fotograf im Erkennungsdienst Vergünstigungen (bessere Unterbringung, zusätzliche Rationen) hatte. Er fühlte eine Verpflichtung, diese Rationen mit anderen zu teilen. Ein einigen Beispielen stellte er heraus, dass es selbst unter den SS-Leuten  nicht nur Monster, sondern Menschen gab, die ihn und andere auch wie Menschen behandelten.

Am Nachmittag hatten wir Gelegenheit, in Quellen des Archivs zu blättern, z.B. nach Namen zu forschen, in Strafkatalogen oder Berichten von ehemaligen Häftlingen zu lesen. Man konnte in Personalakten der Wachmannschaften forschen.
In einer vorbereiteten Zeremonie an der Schwarzen Wand haben wir uns am Abend vom KL Auschwitz verabschiedet.
(David Feigel und Daniel Schink)

Der zweite Tagesbericht eines Schülers ist hier zu lesen:

Am Vormittag besuchen wir das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Als wir auf dem Turm am Eingang stehen, sind wir erschrocken über die Größe des Lagers. Unsere Gefühle sind schwer zu beschreiben. Welche Angst muss ein Kind haben, wenn es schnell aus dem Wagon getrieben wird und in die Gaskammer geschickt wird, allein, ohne Eltern, Freunde, ohne Abschied. Wir gehen den Weg dieser Kinder von der Rampe hin zu einem Gebäude, dem Krematorium II oder III oder IV. Wir stellen uns vor, dass sich diese Kinder ausziehen müssen in einem Raum mit vielen anderen, wie sie in den Raum getrieben werden, in dem sie angeblich duschen sollen, in dem sie aber getötet werden durch Zyklon B. Wir erfahren, dass die Leichen anschließend verbrannt wurden und die Asche zum Teil wie Dreck in einem See versenkt wurde. Wir sind schockiert und wütend zugleich, dass Menschen so eiskalt sein können, dass die Menschenwürde auch nach dem Tode mit Füßen getreten wird. Auf dem Weg zurück wird uns noch einmal die unheimliche Größe des Lagers bewusst. Die Besichtigung einer Baracke im Frauenlager treibt einigen die Tränen in die Augen. Es ist unfassbar! Im abendlichen Gespräch können sich viele nicht äußern, weil sie noch zu betroffen sind. Alle sind sich einig darüber, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Der erste Tag:

Mit dem Bus nach Dortmund (dort treffen wir eine unserer Begleiterinnen – Magda Korda, die wir schon von den Vorbereitungstreffen kennen), mit Wizzair nach Katowice (hier empfängt uns Anna Kiesell, unsere zweite polnische Begleiterin), mit dem Bus nach Oswiecim (Auschwitz).
Wir wohnen im Zentrum für Dialog und Gebet. Bei der Zimmerverteilung stellt sich heraus, dass alle auf einem Flur sind (auch die Lehrer/innen), in Doppelzimmern. Leider muss eine von uns alleine bleiben. Die Zimmer sind gut.
Nach dem Mittagessen gehen wir zum ehemaligen Stammlager Auschwitz (Steingebäude, ehemalige Kasernen der polnischen Armee). Wir werden mit Kopfhörern ausgestattet und gehen durch das Tor mit dem zynischen Spruch „Arbeit macht frei“. Unsere Guide versorgt uns beim Rundgang durch zum Teil sehr enge Gebäude mit sehr viel, manchmal zu vielen Informationen. Räume hinter Glas, zwei angefüllt mit Unmengen von Haaren, zwei andere mit Schuhen, wieder andere mit Bürsten oder Prothesen – manch einer erträgt es kaum, geht ans Fenster, um etwas anderes vor Augen zu haben, wieder andere gehen nicht immer mit und haben Tränen in den Augen.
Der anschließende Stadtgang führt zur Wechselstube – hier ist der Wechselkurs um 25 % günstiger als direkt am Flughafen – danke Anna und Magda! . Für den Abend wird im „Tesco-Supermarket“ eingekauft.
Das Abendessen haben wir uns verdient. Wir blicken anschließend zurück auf den Tag - noch lange sitzen wir auf den Zimmern zusammen und sprechen über Gesehenes, Gehörtes und Gefühle.

02.10.2011

IBB erhält den einheitspreis - Bürgerpreis der Deutschen Einheit

Die Überraschung war groß und die Freude erst recht: Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e. V. in Dortmund (IBB) erhielt am 2. Oktober 2011 in Bonn den „einheitspreis 2011 – Bürgerpreis zur Deutschen Einheit“. Ausgezeichnet wurde das Zeitzeugen-Projekt „20 Jahre deutsche Einheit – Zeitzeugengespräche in NRW“.

In den Jahren 2009 und 2010 hatte das IBB Dortmund für mehr als 600 Schülerinnen und Schüler des neunten bis 13. Jahrgangs an nordrhein-westfälischen Schulen Begegnungen mit Augenzeugen der DDR-Geschichte organisiert. Die Zeitzeugengespräche regten zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch an und ermöglichten damit Jugendlichen, die erst nach dem Mauerfall geboren wurden, ein Verständnis für die deutsch-deutsche Geschichte zu entwickeln. „Es ist nicht selbstverständlich sich weit entfernt von der ehemaligen Grenze damit zu beschäftigen", hob Jurymitglied Joachim Gauck anerkennend hervor.

Das IBB Dortmund ist einer von acht Preisträgern, die von einer unabhängigen Jury unter Vorsitz von Dr. h. c. Joachim Gauck ausgewählt worden waren aus insgesamt 270 Bewerbern. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung“, sagt Elke Wegener, Geschäftsführerin des IBB Dortmund. „Gerade die Arbeit mit Zeitzeugen ist seit 25 Jahren ein wichtiger und immer wieder beeindruckender Bestandteil unserer pädagogischen Konzepte.“ 

Der "einheitspreis – Bürgerpreis zur Deutschen Einheit" wird zum zehnten Mal von der Bundeszentrale für politische Bildung verliehen. Er ehrt das bürgerschaftliche Engagement von Personen und Projekten, die das Zusammenwachsen von Ost und West in Deutschland und Europa fördern. Der Preis ist auf insgesamt 15 000 Euro dotiert. Matthias C. Tümpel, Vorsitzender des IBB Dortmund, und Heiko Hamer, Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule, der das Projekt initiiert hat, nehmen den Preis am Sonntag, 2. Oktober 2011, in Bonn entgegen.

Hannelore Kraft, Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, ist Schirmherrin des einheitspreises 2011. Die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen und die Ampelmann GmbH unterstützen die bpb als Kooperationspartner beim einheitspreis 2011. Medienpartner sind die Deutsche Welle, der General-Anzeiger Bonn und die SUPERillu.

Weitere Informationen finden Sie unter www.einheitspreis.de.

Unsere Fotos zeigen:

Foto oben:  (v.l.n.r.)Thomas Krüger, Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Klaus Kärcher, Manager Aljona Savchenko und Robin Szolkowy, Prof. Dr. Birgit Wenzel (www.lernen-aus-der-geschichte.de), Dr. Christian Staffa (verdeckt), Aktion Sühnezeichen, Friedensdienste, Birgit Marzinka (www.lernen-aus-der-geschichte.de), Hans Hagen, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Dr. Sibylle Plogstedt, Matthias C. Tümpel, IBB Dortmund, György Dalos, Fritz Pleitgen, Lew-Kopelew-Forum, Heiko Hamer, IBB Dortmund und Ralb Oberdorfer, OB Plauen. Foto: SuperIllu

Foto Mitte: 

Matthias C. Tümpel, Vorsitzender des IBB Dortmund, und Heiko Hamer nahmen den Preis entgegen von Maria Springenberg-Eich, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung NRW.

Foto unten:

Der Zeitzeuge und Autor Dieter Garstka ("Das schweigende Klassenzimmer) bei einem der Zeitzeugengespräch im Oktober 2010 in Dortmund-Kirchlinde. 

Einen Blick auf Videos, Dokumentationen und Fotos der Zeitzeugen-Projekte 2009 und 2011 finden Sie hier hier.

 

15.09.2011

Ausstellung "Lichter in der Finsternis" im Reinoldinum eröffnet

„Man hätte sich gewünscht, dass es mehr Menschen gibt wie Raoul Wallenberg...“ Christoph Gann, Jahrgang 1970, richtete am Mittwoch, 14. September 2011, nachdenkliche Worte an seine rund 80 Zuhörer im Dortmunder Reinoldinum. Zuvor hatten Heiko Hamer, Fachreferent des IBB Dortmund, und Hausherr Michael Westerhoff, rund 80 Gäste begrüßt im Namen des Trägerkreises, der die Ausstellung nach Dortmund geholt hat.

Schauspieler Claus Dieter Clausnitzer tief berührt

Christoph Gann, Richter aus Thüringen, hat die Geschichte des Schweden Raoul Wallenberg  erforscht, der in Israel als Gerechter unter den Völkern geehrt wird. Seit Mittwoch erinnert die Ausstellung „Lichter in der Finsternis“ im Reinoldinum, Schwanenwall 34, an Wallenbergs Wirken in Budapest in den Jahren 1944/1945. Die biografischen Berichte über Raoul Wallenberg ergänzte der Dortmunder Schauspieler Claus Dieter Clausnitzer – selbst tief berührt - mit der eindrucksvollen Lesung mehrerer zeitgenössischer Texte aus dem Ungarn der 1940er Jahren, darunter einem  Bericht von Ernst Szép und einer Tagebuchschilderung der erst 13-jährigen Eva Heyman, die kurz darauf nach Auschwitz deportiert und ermordet worden war.  

Mit Schutzpass vor dem Tode gerettet

Raoul Wallenberg, Sohn aus gutem Hause, hatte in den USA Architektur studiert und auch in Haifa Auslandserfahrungen gesammelt. 31-jährig war er mit einem Diplomatenpass nach Budapest entsandt worden. Im von den Deutschen besetzten Ungarn hatten die Nazis längst die systematische Massenvernichtung von Juden eingeleitet. Wallenberg erfand einen Schutzpass für Budapester Juden, der Menschen mit verwandtschaftlichen oder auch nur geschäftlichen Beziehungen nach Schweden vor der sicheren Deportation retten sollte. In kürzester Zeit gelang es ihm, in der größten bekannten Rettungsaktion mehrere tausend Juden vor dem sicheren Tod zu retten.

Schicksal des Schweden liegt bis heute im Verborgenen

1945 wurde Wallenberg selbst von der Roten Armee verschleppt. Das Schicksal des mutigen Retters, der im nächsten Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, ist dagegen weitgehend unbekannt, berichtete Christoph Gann. Er hat 1999 eine Biografie über den Schweden geschrieben hat und bis heute seine Spuren verfolgt. Die Nachricht vom angeblichen Herztod des damals 35-jährigen im Jahr 1947 bei Vernehmungen galt Beobachtern schon immer als wenig glaubwürdig. Doch auch offizielle Nachforschungen auf höchster Ebene, in die selbst Andrej Gromyko (früherer russischer Außenminster und später russisches Staatsoberhaupt) eingeschaltet wurde, führten bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis.

Der Trägerkreis Dortmund zeigt die Ausstellung bis zum 21. Oktober 2011 im Reinoldinum, Schwanenwall 34 in Dortmund. 

Zum Dortmunder Trägerkreis der Ausstellung haben sich zusammengeschlossen: 

Das Evangelische Bildungswerk Dortmund
Schulreferat der Evangelischen Kirche Dortmund-Lünen
Internationales Bildungs- und Begegnungswerk e. V. Dortmund (IBB Dortmund),
Volkshochschule der Stadt Dortmund,
Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Dortmund e.V.,
Deutsch-ungarische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW e. V.
Konrad-Adenauer-Stiftung Dortmund,
Jüdische Kultusgemeinde Großdortmund,
Mahn- und Gedenkstätte Steinwache, Dortmund.

Ansprechpartner für den Trägerkreis: 

Ansprechpartner: Heiko Hamer, IBB Dortmund, unter der Rufnummer  0231-952096-0 oder info <at> ibb-d.de

Ansprechpartnerin für Führungen:

Pfarrerin Beate Brauckhoff vom Schulreferat der Ev. Kirche Dortmund-Lünen unter der Rufnummer 0231-8494-419. Die Presseinformation zur Ausstellungseröffnung finden Sie hier.

Impressionen von der Ausstellungseröffnung am 14. September 2011

Heiko Hamer (2.v.l.) und Vertreter des Trägerkreises präsentieren die Ausstellung.

Aufmerksam folgen Vertreter des Trägerkreises und Christoph Gann der Begrüßung.

Heiko Hamer moderiert eine ergreifende Ausstellungseröffnung.

Claus Dieter Clausnitzer bereitet sich auf eine eindrucksvolle Lesung vor.

Ausstellungsmacher Christoph Gann ist extra nach Dortmund gereist.

Das Trio "gute fraynd" gibt der Eröffnung einen stimmungsvollen Rahmen.

Der Dortmunder Schauspieler liest ergreifende Texte und

zieht das Publikum in seinen Bann.

Diese Dia-Show startet automatisch. Durch Klick auf die Pfeile können Sie im eigenen Tempo blättern. Durch einen Klick auf die Mitte des Startfotos können Sie die Darstellung vergrößern. Fotos: IBB Dortmund / Pressebüro vom Büchel.

01.09.2011

Ausstellung erinnert an Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden

An eine der ungewöhnlichsten Heldentaten des 20. Jahrhunderts erinnert das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e. V. in Dortmund in enger Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren der Erinnerungsarbeit in Dortmund: Die Ausstellung „Lichter in der Finsternis. Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden 1944/45" wird vom 14. September bis 21. Oktober 2011 im Dortmunder Reinoldinum, Schwanenwall 34, gezeigt. Ein umfangreiches Rahmenprogramm vertieft die Inhalte der Ausstellung. Schulklassen können sich schon jetzt Termine sichern beim IBB unter der Rufnummer 0231-952096-0 oder per E-Mail an info@ibb-d.de.

So viele Menschen wie möglich vor dem sicheren Tode retten
Nach dem Motto „So viele Menschen wie möglich“ hatte sich der Schwede Raoul Wallenberg im Sommer 1944 in Budapest das Ziel gesetzt, Juden vor dem sicheren Tod zu schützen. Deutsche Truppen hatten die Stadt besetzt, die Deportation der ungarischen Juden in die Vernichtungslager hatte begonnen. Am 9. Juli 1944 traf der Schwede Wallenberg in Budapest ein. Er hatte wenig mehr als einen schwedischen Diplomatenpass und finanzielle Unterstützung aus Amerika zur Erfüllung seiner Mission. In kurzer Zeit gelang es ihm, mehr als 100 000 Juden vor dem sicheren Tod zu retten, bevor er im Januar 1945 selbst von der Roten Armee verschleppt wurde. Seither ist er verschollen.

Christoph Gann, Richter in Thüringen, hat die Geschichte Wallenbergs und die dramatischen Ereignisse in Budapest auf der Grundlage zahlreicher neuer Quellen rekonstruiert. 1999 erschien sein Buch "Lichter in der Finsternis. Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden 1944/45" und die gleichnamige Ausstellung. Sie ist seitdem in mehr als 50 Städten gezeigt worden.

Für Dortmund hat sich ein Trägerkreis gegründet, der die Ausstellung in ein attraktives Rahmenprogramm einbetten wird. Verschiedene Kulturveranstaltungen, unter anderem ein Abend mit Christoph Gann sind geplant. Der Dortmunder Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie unterstützt das Vorhaben mit einem Zuschuss.

Unser Foto zeigt eine Briefmarke aus den USA zur Wahrung der Erinnerung an Wallenberg. 

Den Flyer zur Ausstellung finden Sie hier

16.03.2011

Auschwitz mit eigenen Augen: Höhere Zuschüsse möglich

Eine neue Fördermöglichkeit eröffnet sich in diesem Jahr für Studienreisen nach Auschwitz, die das IBB seit seiner Gründung vor 25 Jahren für Schulen und Jugendeinrichtungen anbietet. „In Auschwitz ist eine weitaus intensivere Auseinandersetzung möglich als z.B. im Schulunterricht. Am Ort des Geschehens zu sein und ihn über alle Sinneskanäle wahr zu nehmen ist etwas ganz anderes, als Texte zu lesen oder Filme zu sehen“, weiß Burkard Grahn, Gedenkstättenpädagoge des IBB. Er organisiert und begleitet solche Studienreisen seit 1986. Rund 4500 Jugendliche haben Auschwitz und Birkenau zusammen mit dem IBB besucht. Das IBB hat dort auch Lehrerfortbildungen durchgeführt.

Nachfrage nach qualifizierten Gedenkstättenfahrten steigt
„Wir beobachten seit einigen Jahren, dass die Nachfrage nach Studienreisen nach Auschwitz steigt“, sagt Grahn. „Die heutige Generation von Lehrern und Schülern geht unbefangener an das Thema heran als noch vor 20 Jahren. “Als die Arbeit begann, vor 25 Jahren, hatten viele Jugendliche noch Zeitzeugen der Nazi-Zeit in ihrem persönlichen Umfeld. Sie konnten Eltern oder Großeltern über die Zeit des Nationalsozialismus befragen. Ein Teil der Großeltern-Generation der heutigen Schüler stammt jedoch bereits aus der Nachkriegszeit. „Wir beobachten eine wache Neugier und eine neue Aufgeschlossenheit bei Schülern und Lehrern: ‚Was genau ist da geschehen?’ und ‚Was können wir tun, dass Menschen anderen Menschen nie wieder etwas Vergleichbares antun?’“

Eine emotionale Herausforderung für jeden Besucher
„Auschwitz mit eigenen Augen zu sehen, ist eine emotionale Herausforderung, der wir uns stellen können, weil nicht nur das Programm der Studienreise, sondern auch die Vor- und Nachbereitung so gestaltet sind, dass wir den Einzelnen nicht überfordern“, sagt Grahn.

Studienfahrten nach Auschwitz gehören seit 25 Jahren zum IBB-Programm
Grahn hatte schon vor der Gründung des IBB Studienreisen nach Auschwitz betreut und nach der IBB-Gründung 1986 die Gedenkstättenpädagogik im heutigen Fachbereich Jugend und Schule mit gestaltet. Heute gehören die Fahrten zum festen Angebot des IBB, das viele Schulen und Jugendverbände gern und regelmäßig wahrnehmen. Das IBB entlastet die Lehrkräfte und Gruppenleiter von organisatorischen Aufgaben. Aufbauend auf Rohentwürfen für unterschiedliche Zielgruppen wird für jede Gruppe aus dem großen Erfahrungsschatz ein individuelles Programm entwickelt, das auf thematische Schwerpunkte beispielsweise aus dem Fachunterricht Geschichte, Deutsch oder Religion abgestimmt ist. Am Ende steht eine vollständige Dienstleistung, die nicht nur Programm und kompetente Begleitung umfasst, sondern selbstverständlich alles was zum reibungslosen Ablauf dazu gehört: Vom geeigneten Reiseverkehrsmittel über die Unterbringung und Verpflegung bis zum kleinsten Programmpunkt. Die Studienreisen dauern zwischen 4 und 7 Tagen.

Neue Fördermöglichkeit unter dem Motto "Erinnern ermöglichen"
Seit kurzem gibt es unter dem Motto "Erinnern ermöglichen" finanzielle Unterstützung solcher Studienreisen nach Auschwitz für Schüler und Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen durch eine neue Stiftung. Zahlreiche Gruppen, die in diesem Jahr mit dem IBB nach Auschwitz fahren, nutzen diese Fördermöglichkeit. Selbstverständlich hat das IBB bei der Antragstellung geholfen und es gab bisher keinen Antrag, der abgelehnt wurde.

Foto: Eine Gruppe von Jugendlichen aus verschiedenen Dortmunder Schulen und Jugendeinrichtungen besuchte Auschwitz in diesem Jahr über den Holocaust-Gedenktag am 27. Januar. Foto: Fabian Muche

Beispiele für Programme finden Sie hier.   

07.06.2010

Eintägige Fachexkursion "Die Moorsoldaten" führt Pädagogen und Multiplikatoren in die KZ-Gedenkstätte Emslandlager

Ein Blick auf die 1993 eröffnete Gedenkstätte.
Der Innenraum beherbergt unter anderem ein Modell des bereits 1933 eröffneten Lagers.

Eine eintägige Fachexkursion mit dem Titel „Die Moorsoldaten“ in die Gedenkstätte Emslandlager bietet das IBB in Kooperation mit dem Erinnerungsportal ErPort Dortmund, dem evangelischen Schulreferat und dem „Arbeitskreis Ruhr gegen rechtsextreme Tendenzen bei Jugendlichen“ am 26. September 2010 an. Lehrerinnen und Lehrer sowie Multiplikatoren und Interessierte können sich an diesem Tag über neue Entwicklungen in der Gedenkstätte Emslandlager informieren.

Schon bald nach der Machtergreifung der Nazis wurden im Sommer 1933 im Emsland verschiedene Lager errichtet. Zu Beginn wurden dort etwa 4000 Personen inhaftiert – politische Gegner, aber auch Zeugen Jehovas und so genannte Sicherungsverwahrte. Insgesamt wurden hier bis Kriegsende etwa 70 000 Menschen eingesperrt; ab Kriegsbeginn wurde ein Teil der Lager auch für Kriegsgefangene genutzt. Die Häftlinge selber nannten sich „Moorsoldaten“ – mussten sie doch im moorigen Emsland harte, körperliche Arbeit verrichten. Einer der prominentesten Häftlinge war der Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky, der nach seiner Entlassung letztlich auch an den Folgen dieser Haft verstarb.

In Papenburg wird im Dokumentations- und Informationszentrum DIZ (www.diz-emslandlager.de) an diese Lager erinnert. Bekannt ist auch der Friedhof Esterwegen zur Erinnerung an die vielen Toten; hier entsteht zurzeit ein neues Museum.

Die Abfahrt erfolgt am 26. September um 8.30 Uhr am Busbahnhof gegenüber dem Dortmunder Hauptbahnhof. Nach der Ankunft gegen 10.30 Uhr sind eine  Führung durch die Ausstellung, ein Gespräch und ein Mittagessen in der „Historisch-Ökologischen Bildungsstätte“ HÖB Papenburg vorgesehen. Nach der Fahrt nach Esterwegen und der Besichtigung eines früheren Außenlagers geht es wieder zurück nach Dortmund. Die Rückkehr erfolgt gegen 19 Uhr.

Die Teilnahme kostet inklusive Fahrtkosten, Programm und Mittagessen 50 Euro. Nähere Informationen und Anmeldungen unter der Rufnummer 0231-952096-14 oder unter www.ibb-d.de.  


Anmeldungen sind möglich online oder per Post oder per Fax unter Nutzung des Anmeldeabschnitts auf dieser pdf-Datei. 

 

07.05.2010

Neue Dauerausstellung eröffnet: Die Wewelsburg - Ein Lernort des IBB

Die Gedenktafel erinnert an die rund 1300 Toten und 3900 KZ – Häftlinge auf dem ehemaligen Appellplatz.
Farbige Sitzpolster kontrastieren den ehemaligen „Obergruppenführersaal“. Fotos: Dieter Knippschild

Zu einer eintägigen Erkundungstour der Erinnerungs- und Gedenkstätte Wewelsburg bei Paderborn fuhren 15 Personen – unter ihnen der Leiter des Fachbereichs Jugend  & Schule im IBB, Heiko Hamer - auf Initiative des Dortmunder Erinnerungsportals „ErPort Dortmund“ am 20. April 2010.

Auf der Wewelsburg in der Nähe von Paderborn war just wenige Tage zuvor die neue Dauerausstellung „Ideologie und Terror der SS“ eröffnet worden. Die Wewelsburg wird regelmäßig von Gruppen des IBB besucht, die sich dort auf eine Fahrt nach Auschwitz vorbereiten.

Die neue Ausstellung wurde in der Süddeutschen Zeitung vom 17./18. April besprochen: „Die neue Ausstellung – die eine lokale Schau aus dem Jahr 1982 ersetzt – zeigt nun eindrucksvoll, wie banal es zuging in der vermeintlichen SS-Burg; gleichzeitig kann man den Mikrokosmos der „Elite“ des Dritten Reiches, der geprägt war von weltanschaulicher Betriebsamkeit, zunehmendem Größenwahn und nicht zuletzt Ausbeutung und Vernichtung, kaum irgendwo besser studieren als hier.“

Zum Umbau der Wewelsburg wurden von 1939 bis 1943 im KZ Niederhagen, dem kleinsten eigenständigen Lager im Deutschen Reich, 3 900 Häftlinge als Zwangsarbeiter eingesetzt von denen mehr als 1 280 starben. Die Häftlinge mussten zudem an ideologisch geprägten baulichen Veränderungen im Dorf arbeiten. Viele Spuren dieser Zeit sind auch heute noch rund um die Gedenkstätte zu finden.

Die Geschichte der Wewelsburg bietet einen idealen Rahmen sowohl die Opfer- als auch die Täterperspektive zu studieren. Jugendliche, Schüler aber auch Multiplikatoren können sich hier in einem Seminar das Thema Nationalsozialismus und insbesondere das SS-System intensiv erarbeiten.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte per E-Mail an Heiko Hamer oder telefonisch an die Rufnummer 0231-952096-0. 

 

20.11.2008

Projekt im Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie

„Hören – Verstehen – Zusammenleben“ heißt der Titel eines neuen Projektes für junge Menschen in Dortmund. Entwickelt hat es das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund als Beitrag für den lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie der Stadt Dortmund. Das Projekt wurde in diesen Tagen bewilligt.

Der lokale Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie der Stadt Dortmund – vom Stadtrat beschlossen im Dezember 2007 – soll bestehende Strukturen und Aktivitäten gegen Rechts effektiv vernetzen. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen spielt  im städtischen Handlungskonzept eine wichtige Rolle.

Das IBB freut sich über die Bewilligung der Fördermittel. „Interkulturelle Verständigung ist für das IBB ein Herzensanliegen“, sagt IBB-Geschäftsführerin Elke Wegener, die auf  erfolgreich beendete Projekte unter dem Titel „Aktiv gegen Rechts“ verweist. „Wir freuen uns sehr, dass wir nun wieder ein Projekt in Dortmund verwirklichen.“

 

Weitere Informationen zum lokalen Aktionsplan finden Sie hier

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