Das Bengo-Projekt in Chernygov

Internat für Sehbehinderte wird feierlich übergeben

Die Freude ist groß in Chernigov in der Ukraine: Die Stadt wird dem Internat für sehbehinderte Kinder den frisch renovierten Anbau am Freitag, 29. Oktober 2010, feierlich übergeben.
Rund 100 000 Euro haben mehrere Partner investiert. Die Mittel stammen vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund (IBB), vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie von der Gebietsverwaltung in der Ukraine. Das 2009 neu gegründete IBB Kiew - unterstützt durch das Deutsch-Ukrainische Netzwerk vertreten durch Ljubov Negatina - koordinierte die Renovierungsmaßnahme.
Die bauliche Substanz des herrschaftlichen Nebengebäudes aus dem 19. Jahrhundert war über Jahre vernachlässigt worden. Schimmel im Mauerwerk, gefährliche Elektroleitungen und dürftige Sanitäranlagen belasteten die ansonsten hoch gelobte pädagogische Arbeit. „Wir haben das Internat bei einem unserer Besuche in der Ukraine kennen gelernt und waren erschüttert“, erzählte Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer des IBB Dortmund, nach einem ersten Besuch im Jahr 2008 und organisierte die erforderlichen Mittel für eine umfassende Hilfe.
Zur offiziellen Übergabe des Anbaus gestalten die Schülerinnen und Schüler ein Konzert. Als Gastredner wird der Vorsitzende der Gebietsverwaltung erwartet. Als Vertreter des IBB werden Projektmanagerin Olga Rensch und Joachim Sauer, Vorstandsmitglied des IBB Dortmund, an der feierlichen Übergabe teilnehmen. Die Botschaft in Kiew entsandte Glückwünsche.

Anbau der alten Schule in Chernygov erstrahlt im neuen Glanz

Erste Vorbereitungen für die Renovierung: Der feuchte Putz musste abgeschlagen werden.

Er ist wirklich kaum wieder zu erkennen: Der Anbau in der alten Schule für Sehbehinderte im ukrainischen Ort Chernygov war noch im August in einem erbarmungswürdigen Zustand. Schimmel im Mauerwerk, Feuchtigkeit in der Raumluft, dürftige Sanitüranlagen ließen dem IBB keine Ruhe (wie berichtet am 6. Oktober 2009). Mit Unterstützung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Eigenmitteln des IBB begann erst im Oktober die umfangreiche Renovierung des Frühförderbereichs im alten Gemäuer, in dem anerkannt erfolgreiche Arbeit mit stark sehbehinderten Kindern geleistet wird.

Bei einem Besuch im November 2009, kaum acht Wochen nach Beginn der Renovierung, glaubte IBB-Mitarbeiterin Olga Rensch schon fast selbst, sie stände in einem völlig anderen Gebäude. Die Fotos, die sie bei ihrem jüngsten Besuch machte, stellte sie zu den alten Fotos – nur so wird der immense Baufortschritt deutlich. Die Fotos zeigen den erbarmungswürdigen Zustand vor der Renovierung.

Die Foto-Dokumentation zum Zustand nach der Renovierung finden Sie hier.  

Gute pädagogische Arbeit litt unter erheblichen baulichen Mängeln

Feuchtigkeit ist tief ins Gebäudeinnere vorgedrungen. Decke und Wand müssen dringend renoviert werden. So präsentierte sich das Gebäude im August dieses Jahres.
An dem Backofen, in dem täglich das Brot für die Kinder gebacken wird, fehlt die Ofentür. Wie lange, weiß keiner so ganz genau.
Ein Blick in die Küche: Die Versorgungsleitungen liegen über Putz, die Kacheln sind mehrfach notdürftig ausgebessert worden.

Schimmel im Mauerwerk, Feuchtigkeit in der Luft und dürftige Sanitäranlagen: In einem erbarmungswürdigen Zustand befand sich das Nebengebäude des Internats für rund 150 sehbehinderte Kinder in Chernygov in der Ukraine, 135 Kilometer südlich der Hauptstadt Kiew, noch Mitte 2009. Das IBB startete zusammen mit dem deutsch-ukrainischen Netzwerk die Renovierung des lange vernachlässigten Altbaus. Der Bauantrag für die Renovierung des Nebengebäudes wurde im Oktober genehmigt, die Arbeiten sollten schnell beginnen.

 

Peter Junge-Wentrup: "Wir waren erschüttert"


„Wir haben das Internat bei einem unserer Besuche in der Ukraine kennen gelernt und waren erschüttert“, erzählte Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer der IBB gGmbH, im Oktober 2009. „Es ist schon so vieles saniert worden an der Schule, aber es ist auch noch vieles zu tun.“ Als vorrangig eingestuft wurde die Herrichtung der Kantine: Dort gab es keine Waschbecken für Obst und Gemüse. Anstelle von Abflussrohren gab es große offene Löcher im Boden und der große Ofen, in dem täglich Brot gebacken werden muss, hatte schon lange keine Ofentür mehr.

Dabei sei die pädagogische Arbeit der Einrichtung, in der sehbehinderte Kinder und Jugendliche ganzjährig fern ihrer Familien leben, anerkannt und gut. Durch eine gezielte Frühförderung vom Kindergartenalter an werden die Bewohnerinnen und Bewohner des Heims auf ein selbstständiges Leben vorbereitet. „Im vorigen Jahr schafften es fünf sogar bis zur Uni“, lobt die Heimleiterin Tatjana Wasiljevna die gute inhaltliche Arbeit ihrer Mitarbeiter.

Kooperation mit dem Deutsch-Ukrainischen Netzwerk

Die bauliche Substanz des herrschaftlichen Nebengebäudes aus dem 19. Jahrhundert war allerdings über Jahrzehnte vernachlässigt worden. „Die letzte Renovierung erfolgte nach unserer Kenntnis im Jahr 1929.“ Dabei war die Gebäudesubstanz durchaus noch zu retten, wie Olga Rensch, IBB-Referentin für Belarus und selbst gelernte Bauingenieurin, mit professionellem Blick erkannte.

Das IBB zögerte nicht, sondern handelte. In enger Kooperation mit dem deutsch-ukrainischen Netzwerk, geleitet von Ljubov Negatina, das sich schon länger ehrenamtlich als Hilfsorganisation für die staatliche Einrichtung engagiert, wurden Bauanträge formuliert und Angebote eingeholt. 10 000 Euro an Eigenmitteln investierte das IBB in die Restaurierung. Rund 28 100 Euro steuerte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) aus Bengo-Mitteln bei.



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