"Fremd vertraut" in Dortmund - Lernwerkstatt Migration

Die Lernwerkstatt Migration ist ein dreiteiliges Projekt, das das IBB im zweiten Halbjahr 2009 in Dortmund in Kooperation mit dem Jugendring Dortmund und der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) betreut. Beteiligt sind Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule Dortmund, Jugendliche, die auf dem Werkhof Scharnhorst ein Werkstattjahr absolvieren und die Alevitische Jugend. Zum Ende des Jahres entsteht eine DVD, die in Dortmund verbreitet wird. Das Projekt wird eigens vom Medienpädagogen Jürgen Gorgol begleitet. Denn: Junge Menschen mit Migrationshintergrund sollen sich mit ihrer kreativen Kompetenz vorstellen können – gegenüber einer Mehrheitsgesellschaft, die sonst häufig nur die Defizite wahrnimmt.

 

Feierliche Vorstellung der CD im Rathaus der Stadt Dortmund am 4. März 2010

Bürgermeisterin Birgit Jörder dankt Akteuren für ihren Mut

Das Ergebnis kann sich sehen lassen und erntete lang anhaltenden Applaus: Bei der Präsentation der multimedialen Projekt-CD „Fremd - vertraut in Dortmund“ am Donnerstag, 4. März 2010, im Dortmunder Rathaus zeigte sich Bürgermeisterin Birgit Jörder ganz begeistert vom Mut der Akteure und dem ansprechenden Ergebnis: „Mit Musik, Schau- und Hörspiel und Interviews haben sie nicht nur ihr Inneres erforscht, sondern einen Blick auf unsere gesamte Gesellschaft geworfen.“

Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk e. V. (IBB) in Dortmund hatte das mehrere Monate laufende Projekt organisiert. Die „Lernwerkstatt Migration“ ist eine Kooperation mit dem Jugendring Dortmund und der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte.

„Wir arbeiten seit 1986 an dem Ziel, Grenzen zu überwinden, auch Grenzen, die durch Vorurteile und Fehlurteile zwischen Menschen entstehen und gerade deshalb freuen wir uns sehr, dass Stadt und Land dieses Projekt unterstützt und gefördert haben“, bedankte sich Elke Wegener, Geschäftsführerin des IBB, vor rund 100 Zuhörern im Saal Westfalia. „Die praktische Arbeit und das Ergebnis zeigen eindrucksvoll, dass die Jugendlichen ganz viele, ganz tolle Ideen haben, auf die wir nicht verzichten  können, wenn wir gemeinsam Zukunft gestalten wollen“, sagte Andreas Roshol vom Jugendring mit Blick auf das kreative Ergebnis.

Cornelia Schneider, stellvertretende Leiterin der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte, erinnerte an den Anstoß zu diesem Projekt vor mehr als einem Jahr: Ein junger Mann hatte sich beklagt, dass er – obwohl in Dortmund geboren – keinerlei Kontakt zu Dortmundern habe. Eine ältere Dame, der er helfen wollte, habe ihn weggejagt. „Erfahrungen wie diese führen uns vor Augen, wie wichtig der interkulturelle Austausch ist.“

„Durch Zusammenleben, durch das gegenseitige Zuhören werden Vorurteile abgebaut“, unterstrich Hartmut Anders-Hoepgen, Sonderbeauftragter für den Lokalen Aktionsplan für Vielfalt, Toleranz und Demokratie, die Bedeutung interkultureller Projekte.
 
Zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten hatten sich Mitglieder der Alevitischen Jugend in Dortmund-Eving, Jugendliche in Berufsvorbereitung am Werkhof „Zeche Zukunft“ in Dortmund-Derne und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule in der Dortmunder Nordstadt mit dem Thema Migration beschäftigt und ihre Überlegungen kreativ umgesetzt. Die CD führt die Ergebnisse zusammen.

Die Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule hatten kurze Theaterszenen und ein Hörspiel entwickelt, das im August 2009 bereits in einer Bürgerfunksendung im Dortmunder Lokalfunk ausgestrahlt worden war.  

Die Jugendlichen, die zurzeit am Werkhof Dortmund-Derne („Zeche Zukunft“) ein Berufsvorbereitungsjahr absolvieren, hatten Interviews geführt mit Dortmundern, die nicht trotz, sondern oft gerade wegen ihres Migrationshintergrundes erfolgreich ihren Weg gemacht haben.

Die Alevitische Jugend hatte in Theater-Szenen dargestellt, dass es auch Vorbehalte und Vorurteile gegenüber der Mehrheitsgesellschaft gibt.  

Die CD enthält neben den kreativen Ergebnissen auch Informationen über die Projektpartner und Projektbeteiligten. Als Anstoß für die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema Migration liegt sie in Geschäften und öffentlichen Einrichtungen aus und kann beim IBB bestellt werden unter der Rufnummer 0231-952096-0.

Gefördert wurde das Projekt von der Stadt Dortmund und dem Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen.

Pressegespräch am 25. September 2009 in Dortmund-Derne

Projekt "Fremd vertraut" macht Mut, in zwei Welten zu denken

 

„Kamera läuft“ hieß es am heutigen Freitag in der „Zeche Zukunft“: Im Rahmen des IBB-Projekts „Fremd -  vertraut in Dortmund“ interviewten sechs Jugendliche den gerade zum neuen SPD-Ratsmitglied gewählten Dortmunder Volkan Baran. „Sind Sie allein oder mit ihrer Familie nach Deutschland gezogen?“ und „Wie geht ihr politisches Engagement weiter?“ 45 Minuten später war nicht nur der „Dreh“ „im Kasten“, sondern auch eine erfolgreiche Lebensgeschichte in den Köpfen der jungen Zuhörer.

„’Fremd - vertraut in Dortmund’ richtet den Blick auf Biografien von älteren Zuwanderern, die ihren Weg gemacht und ihr Leben gemeistert haben“, berichtete Elke Wegener, Geschäftsführerin des IBB gestern bei einem Pressegespräch im Verwaltungsgebäude der „Zeche Zukunft“ (ehemals Gneisenau). „Wir beschäftigen uns mit möglichen Identifikationsfiguren“, erzählt Andreas Roshol vom Jugendring Dortmund, „um zu zeigen, dass es durchaus von Vorteil sein kann, in zwei Welten zu denken.“ So machten die Jugendlichen zuvor schon Bekanntschaft mit einem Jungunternehmer mit Migrationshintergrund, der aus einer Garagenfirma heraus einen Versandhandel mit elf Mitarbeitern und zwei Azubis aufgebaut hat. „Das Projekt ermutigt Kinder und Jugendliche zu einem Blickwechsel auf die Potentiale, die ihnen ihre Herkunft mitgegeben hat“, sagt Elke Wegener. Dabei richtet es sich speziell an 14- bis 18jährige, denn sie, weiß Roshol, „durchleben in diesen Jahren Welten und stellen die Weichen für die eigene Zukunft.“  

Die 16- bis 18jährigen, die gestern den neuen SPD-Ratsherrn interviewten, absolvieren gerade ein so genanntes Werkstattjahr im Werkhof-Projekt in Dortmund-Derne. An fünf Tagen in der Woche können sie ihren Hauptschulabschluss nachholen und sich auf die Arbeitswelt vorbereiten. Ihre beruflichen Perspektiven sind nicht rosig, wie Wolfgang Zude, Bereichsleiter Werkhof Projekt in der Werkstatt im Kreis Unna GmbH, einräumte: „Wir haben für jeden  Jugendlichen nicht einmal einen halben Ausbildungsplatz.“ Der Wettbewerb um Ausbildungsplätze ist entsprechend hart.

 

„Selbst bei gleichen Abschlussnoten werden Bewerber mit Migrationshintergrund benachteiligt“, pflichtete Baran bei. „Es gibt eine versteckte Diskriminierung, die wir aufbrechen müssen. Wir brauchen eine neue Willkommenskultur.“ Der neue Ratsherr mit türkischen Wurzeln hatte sich selbst schon früh bewusst für den deutschen Pass entschieden und für ein politisches Engagement – obwohl der Weg in den Dortmunder Stadtrat auch nicht immer einfach war, wie er seinen aufmerksamen Zuhörern erzählte. 

Wohl gerade deshalb ermutigte er die Jugendlichen, deren Vorfahren aus der Türkei, aus Marokko, aus Polen und von den Philippinen kommen, zu Geduld und  Beharrlichkeit auf ihrem Weg: „Jede Bemühung lohnt sich, auch wenn nicht jede Bemühung unmittelbar zum gewünschten Erfolg führt.“

Seine persönliche Zuwanderungsgeschichte beschränke sich übrigens genau genommen auf den Umzug von Lünen nach Dortmund, erzählte Baran schmunzelnd.


Das Video-Interview ist ein Teil des Gesamtprojekts „Fremd - vertraut in Dortmund“, das in enger Kooperation mit dem Jugendring Dortmund und der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien Dortmund (RAA) konzipiert wurde. Es läuft insgesamt von Juni bis Ende Dezember 2009. Ziel ist die Produktion einer DVD. Neben den Jugendlichen vom Werkhof machen Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule und der Alevitischen Jugend Dortmund mit. Die Gesamtschüler haben bereits ein Hörspiel und eine Radiosendung produziert. 

Bildtext-Information: Volkan Baran (2.v.r.) stellte sich gestern auf dem Werkhof den Fragen von Jugendlichen. Jürgen Gorgol (2. v. l.) filmte das Interview, das Maike Giesbert (3.v.l.)  und Serkan Özkan (4.v.l.) mit den Jugendlichen vorbereitet hatten. Foto: Mechthild vom Büchel /IBB    

Was die Westfälische Rundschau und die Dortmunder Ruhr Nachrichten über dieses Projekt berichtet haben, erfahren Sie im Pressespiegel.

Die erste öffentliche Vorstellung des Projekts

"Fremd vertraut" auf Sendung im Bürgerfunk

Die ersten Ergebnisse ihres Projektes „Fremd – vertraut in Dortmund“ präsentierten 24 Schülerinnen und Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule am 28. August 2009 im Bürgerfunk auf der Frequenz von Radio Do 91,2.


Die Schüler aus dem Kurs „Community education“ an der Anne-Frank-Gesamtschule hatten im vorigen Schuljahr mit ihrer Lehrerin Antje Ruppert ein Hörspiel erarbeitet, mit Guilia Casella vom IBB einen Rap-Song geschrieben und mit Maike Giesbert vom IBB Interviews geführt in der Dortmunder City und auf dem Nordmarkt. Thematisch ging es um Zuwanderer und ihre Lebenswege. In der kreativen Auseinandersetzung mit den Biografien der Eltern- und Großelterngeneration wird ein neuer Blickwinkel auf Leben und Alltag der jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer ermöglicht.

Das erste Ergebnis konnte sich hören lassen: Ein insgesamt 20-minütiges Hörspiel, ein selbst getexteter Rap-Song und eine Interview-Reihe werden in der Bürgerfunksendung vorgestellt. Die Moderationstexte haben vier Schülerinnen und Schüler selbst gesprochen.

Nach dem intensiven Blick auf die Lebensgeschichte älterer Zuwanderer geht es an der Anne-Frank-Gesamtschule weiter mit der Arbeit am Thema „Perspektive Zukunft“.

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