Die Geschichtswerkstatt Minsk

Erinnern, Lernen und Forschen am historischen Ort

„Ein besonders wichtiges Projekt ist die „Geschichtswerkstatt Minsk“, die auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos in Minsk entstanden ist. Dort arbeiten das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund, die IBB Minsk und der Verband der jüdischen Gemeinden in Belarus gemeinsam daran, durch das Erinnern an die Vergangenheit eine gute Zukunft zu schaffen." (Bundespräsident Johannes Rau im April 2006)


Warum eine Geschichtswerkstatt in Minsk?

Ein Ort der Gespräche zwischen den Generationen.

Eines der größten Ghettos in der nationalsozialistisch besetzten Sowjetunion lag in Minsk. Dort und im nahe gelegenen Vernichtungslager Trostenez wurden Zehntausende umgebracht: Juden aus Minsk und Umgebung, aus Mitteleuropa und Deutschland. In Trostenez wurden auch sowjetische Kriegsgefangene, Gefängnisinsassen, Widerstandskämpfer und nicht-jüdische Zivilisten ermordet. Die Geschichte des Ghettos Minsk und des Vernichtungslagers Trostenez ist in Deutschland wie in Belarus über Jahrzehnte hin weg vergessen worden. In der deutschen Geschichtskultur spielten das systematische Morden und die Tatorte in der besetzten Sowjetunion kaum eine Rolle. Die UdSSR galt als ein Ort des Krieges, als Ort der Vernichtung wurde vor allem Polen erinnert. Poland, Und so blieb lange Zeit verborgen, dass etwa das Ghetto Minsk und das Lager Trostenez auch Endstation für Tausende Juden aus dem Gebiet des Deutschen Reiches war, aus Hamburg, Bremen, Berlin, Düsseldorf, Köln, Bonn, Frankfurt, Wien etc. Im sowjetischen Belarus wiederum ließen die offizielle Heldengeschichte des Zweiten Weltkrieges, erzählt als heroischer Kampf des belarussischen Volkes und seiner Partisanen gegen die deutsch-faschistischen Invasoren, sowie ein latenter Antisemitismus keinen Raum für das Gedenken an die Verfolgung und Vernichtung der belarussischen Juden. Mehr


Lernen am authentischen Ort

Die Geschichtswerkstatt bietet für Schulklassen, Studienreisegruppen und andere Interessierte ganzjährig Exkursionen in deutscher und russischer Sprache zu folgenden Themen an:

 

Minsk in den Jahren der deutschen Okkupation 1941-1944

Besuch der wichtigsten Orte in der Stadt, die mit der Tätigkeit der deutschen Besatzungsorgane, der Minsker Untergrundbewegung, der Topografie der Massenvernichtungsorte (Ghetto, Gelände der ehemaligen KZs in Massjukowschtschina und in der Schirokaja-Straße) verbunden sind.

 

Minsker Ghetto: das Territorium des Todes

Exkursionen zu den Gedenksteinen (Erinnerung an die Deportation von deutschen, österreichischen und tschechischen Juden), zur Jama (Gedenken der über 4.000 an einem Tag vernichteten belarussischen Juden), zu den Denkmälern auf dem Jubilejnaja-Platz, im Stadtteil Tutschinka,  zum Territorium des Sonderghettos, Todesstrasse, ehemaliger jüdischer Friedhof und das ehemalige Haus des Minsker Ghettos, in dem sich die Geschichtswerkstatt einschließlich Versteckort (Stätte des Todes und der Rettung von 26 Juden aus dem Minsker Ghetto) befindet.

 

Vernichtungslager Trostenez

Die Geschichte des Territoriums und der Gedenkorte eines der größten Vernichtungslager in Europa schließt den Besuch von Maly Trostenez, Blagowschtschina und Schaschkowka ein, wo  in den Kriegesjahren 1941–1944 206 500 belarussische und deportierte ausländische  Juden, Kriegsgefangene, Partisanen, Untergrundkämpfer, Einwohner von Minsk und den nahe gelegenen Städten umgebracht wurden, ein. Die Besichtigung des Lagerstandorts, wo sich das ehemalige Krematorium, wirtschaftliche und administrative Gebäude des Lagers, die Massenvernichtungsorte befanden, sowie dokumentarische Materialien und Gespräche mit den Zeitzeugen helfen, den Charakter und die Ziele des Todeslagers besser  zu verstehen.

 

Gedenkorte an die Deportationen aus Deutschland, Österreich und Tschechien

Aufgrund der neuen Erkenntnisse und Materialien kann die Geschichte der 26 000  deportierten Juden aus Hamburg, Bremen, Berlin, Bonn, Köln, Frankfurt am Main, Wien, Prag, Brno, Theresienstadt  direkt am Ort ihres Aufenthaltes und der Beisetzung sehr eindrucksvoll dargestellt werden. Dokumente und Fotomaterialien in der Exposition der Geschichtswerkstatt  stellen die Gestalten und den letzten Weg der Nazi-Opfer in Minsk und Trostenez dar.

 

Erinnerung an die Holocaust-Geschichte

Diese Führung beinhaltet den Besuch folgender Gedenkorte im Minsker Ghetto:  Grabmale der deportierten Juden aus Europa, Jama-Gedenkstätte, der Jubilejnaja-Platz, die Straßen Respublikanskaja, Obuwnaja, Suchaja, das Territorium des ehemaligen jüdischen Friedhofs und die Geschichtswerkstatt mit Versteckort.

 

Ort:                     Geschichtswerkstatt, Minsks historische Orte

Termin:              ganzjährig

Leitung:              Dr. Kusma Kosak, Julia Luschtschik


Fördern Sie aktiv die Arbeit gegen das Vergessen

Die Arbeit einer Erinnerungs-, Bildungs- und Forschungsstätte lebt auch vom ideellen und finanziellen Engagement der Bürger. Die Geschichtswerkstatt wird weiter erfolgreich sein, wenn möglichst viele sie unterstützen. Deshalb bitten wir Sie:
• uns Materialien aus Ihrer Stadt, Ihrem Heimatort über Menschen zur Verfügung zu stellen, die während des Krieges nach Belarus deportiert worden sind
• sich an der Arbeit der Geschichtswerkstatt konkret zu beteiligen
• die Geschichtswerkstatt mit einer Spende zu fördern.

Aktuell benötigt die Geschichtswerkstatt Mittel, um
• Lebensberichte von Überlebenden in russischer und deutscher Sprache zu publizieren
• Ausstellungsstücke zur Geschichte des Ghettos Minsk und des Lagers Trostenez anzukaufen
• Pädagogische und didaktische Materialien zu erstellen
• Forschungsaufenthalte belarussischer Historiker im westlichen Ausland zu fördern.

Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.


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