Die 16. Partnerschaftskonferenz in Geseke 2009 vom 24. bis 26. April 2009

Hier finden Sie die Dokumentation der Partnerschaftskonferenz. Nach und nach arbeiten wir weitere Grußworte und Berichte ein. Schauen Sie öfter mal vorbei.

Verlässliche strukturelle Hilfe über die Grenzen nach Belarus ist ein fester Pfeiler der Völkerverständigung - Ukrainer hoffen auf Unterstützung

Peter Junge-Wentrup eröffnete die Konferenz.
IBB-Vorstand Manfred Zabel (r.) im Gespräch mit Svetlana Schilowa.
Das Publikum ist konzentriert.
Junge Gesichter in der Zuhörerschaft.

Was vor 20 Jahren mit Lastwagenlieferungen mit Hilfsgütern begonnen hat, ist heute ein fester Pfeiler  in der Völkerverständigung geworden, der einen spürbaren Einfluss auf die zwischenstaatlichen Beziehungen hat. Dies war die zentrale Botschaft, die die mehr als 300 Teilnehmer an der 16. Partnerschaftskonferenz vom 24. bis 26. April 2009 in Geseke aus berufenem Munde erfuhren. „Was sie hier leisten, ist Diplomatie“, bestätigte Dr. Jaroslav Baran, Leiter der Bonner Außenstelle der ukrainischen Botschaft. Und auch der belarussische Botschafter Wladimir Skworzow ließ in seinem Grußwort keinen Zweifel: Das bemerkenswerte partnerschaftliche Zusammenwirken ist „zu einem festen Bestandteil eines ganzen Komplexes von bilateralen Beziehungen geworden“.

Lob tut gut – Mitarbeit auch
Das Lob tat gut. Denn für die Teilnehmer an der Konferenz „Projekte in Partnerschaft entwickeln“ stand zwar ohnehin fest: Die Arbeit geht weiter. Doch in den Gesprächen machten viele auch deutlich, dass das Engagement viel Kraft kostet und zumindest auf deutscher Seite stellenweise Ermüdungserscheinungen zeitigt. So ging es in Vorträgen und in den Arbeitsgruppen vielfach auch um ganz konkrete Tipps, wie junge Unterstützer und Mitarbeiter begeistert und neue Geldquellen erschlossen werden können.

Grünes Licht für die nächste Phase des Förderprogramms Belarus
Otmar Greiff vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte die gute Nachricht im Gepäck: Das Förderprogramm Belarus, 2002 von der Deutschen Bundesregierung erstmals aufgelegt und vom IBB betreut, geht in die fünfte Phase.

Neue Impulse für die Zusammenarbeit in der Zukunft
Die neue Internet-Plattform www.ost-west-initiativen.de, die das IBB seit Mitte März 2009 bereitstellt, soll die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch der Akteure untereinander erleichtern. Und ein Freiwilligendienst könnte junge Menschen, die Auslandserfahrungen sammeln möchten, auf kurzem Wege an die Einrichtungen der Partnerschaftsinitiativen vermitteln. Was junge Menschen antreibt, sechs Monate nach Belarus zu gehen und welche Erfahrungen sie in Osteuropa machen, erzählte die Hochschul-Absolventin Ina Fieling (23) sehr anschaulich und beispielhaft auf der Konferenz. 


Ihre Grußworte richteten Joachim Sauer (v.l.), Alexandr Levanovich, Dr. Klaus Oberländer und Monika Tharann an die Konferenzteilnehmer.  

Blick zurück auf das Erreichte und nach vorn in die Zukunft

Peter Junge-Wentrup begeistert.
Otmar Greiff hat gute Nachrichten.
Das Publikum ist gespannt.
Dr. Baran (r.) hört zu.

Eröffnet hatte Peter Junge-Wentrup, Geschäftsführer der IBB gGmbH das große Familientreffen der Initiativen am Freitagabend, 24. April: „Nach dem Mauerfall hat alles begonnen mit Hilfslieferungen, aber seit 2002 leisten die Initiativen längst strukturelle Hilfen“, sagte er in seinem Grußwort (Ausschnitte seines Grußwortes als Video finden Sie hier). In den vielen Jahren seien aus den zarten Pflanzen der humanitären Hilfe viele gemeinsam getragene Leuchtturmprojekte und tief verwurzelte Freundschaften erwachsen. Der lange Atem der Aktiven, die helfende Hand trotz vieler finanzieller, bürokratischer oder organisatorischer Hindernisse, trug und trägt ihnen immer wieder Bewunderung und neue Unterstützer ein.

Hilfswerk Renovabis unterstützt die Konferenz
Aber auch der interreligiöse Aspekt der Arbeit, die auch auf der Konferenz interreligiöse Brücken schlug zwischen Katholiken, Orthodoxen und Protestanten, wird wohlwohllend zur Kenntnis genommen, wie Joachim Sauer, Referent Projektarbeit und Länder im katholischen Hilfswerk Renovabis, in seinem Grußwort betonte: „Renovabis unterstützt gern diese Partnerschaftskonferenz und hofft, das von dieser Konferenz einige Impulse für das stärkere Miteinander der Kirchen bei der weiteren Entwicklung der Zivilgesellschaft in Belarus und in der Ukraine ausgehen mögen.“

DUF sorgt sich um Beziehungen zur Ukraine
Für das Deutsch-Ukrainische Forum (DUF) macht Geschäftsführer Dr. Klaus Oberländer in seinem Grußwort deutlich, dass er die sich für die deutsch-ukrainischen Initiativen ähnlich pfiffige Finanzierungsideen wünscht, wie sie die deutsch-belarussischen Intiativen zu nutzen wissen - gerade vor dem Hintergrund der aktuellen weltweiten Krise. (Ausschnitte aus dem Grußwort finden Sie als Videosequenz hier.) Zumal das Partnerschaftsprogramm Ukraine aktuell keine staatliche Unterstützung erfahren kann, wie Otmar Greiff deutlich machte. Das Förderprogramm Belarus stelle eine Ausnahme dar. Für die Ukraine bekräftigte auch Dr. Baran den sehnlichen Wunsch nach einer Beitrittsperspektive in die EU. Monika Tharann von der Stiftung West-Östliche Begegnungen in Berlin betonte in ihrem Grußwort den Aspekt der Friedenssicherung, die von Gelegenheiten wie der großen Partnerschaftskonferenz ausgehen. (Ausschnitte aus ihrem Grußwort als Video sehen Sie hier.)

Fragen aus dem Publikum (Foto links) - zum Beispiel nach der Aids-Problematik für die Ukraine - beantwortete das hochkarätitg besetzte Podium (Foto rechts, v.l.): Otmar Greiff, Dr. Svetlana Schilowa, Dr. Ludwig Brügmann, Peter Junge-Wentrup, Dr. Astrid Sahm, Ljuba Negatina, Raisa Sinelnikowa und Dr. Jaroslav Baran.


Intensiver Gedankenaustausch in den Arbeitsgruppen

Botschaftsrat Levanovich im Gespräch.
Monika Tharann hört aufmerksam zu.
Herbert Wohlhüter berichtet.

Der zweite Konferenztag stand im Zeichen der Entwicklung neuer Ideen in den verschiedenen Arbeitsgruppen: 


Jugend- und Erwachsenenbildung- moderiert von Dr. Isolde Baumgärtner vom IBB Dortmund mit den Experten Wadim Bagaj vom Institut Sozialwissenschaft in Kiew und Galina Weremetschik von dvv international Minsk

Soziale Arbeit mit Jugendlichen und Menschen mit Behinderungen - moderiert von Herbert Wohlhüter vom IBB Dortmund mit den  Experten Andrey Waskowitsch von der  Cairtas Ukraine und Jelena Titowa von der Elterninitiative Belapti Minsk. Das Protokoll in russsischer Sprache finden Sie hier.      

Erneuerbare Energien und Energieeinsparung - moderiert von Martin Schön vom IBB Dortmund mit den Experten Jury Suprinowitsch von Ökodom Minsk und Bernd Schwarz vom IWO Berlin

Nachhaltige Entwicklung in Kommunen und Schulen - moderiert von Nathalie Haußner vom IBB Dortmund mit den Experten Oleg Sivokrakow von der Stiftung "Lebendige Partnerschaft", Klaus Reuter von Agenda 21 in Dortmund und Nadia Tscherwschenko vom "Grünen Dossier" Kiew 

Tschernobyl – Schwerpunkte im Netzwerk und zukünftige Aufgaben - moderiert von Dr. Astrid Sahm vom IBB "Johannes Rau" Minsk mit den Experten Oleg Graschenko von der Union Tschernobyl aus der Ukraine, Melanie Arndt vom VW Forschungsprojekt und Christian Schramek von der Uni Regensburg

(Durch Anklicken der Überschriften öffnen sich die Berichte aus den Arbeitsgruppen)

Erinnerungen an den Supergau von Tschernobyl

Auch 23 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl waren die Ereignisse, deren Folgen bis heute zu spüren sind, in Geseke gegenwärtig: Tschernobyl gab den Impuls, Hilfsaktionen zu starten. Bis heute werden jährlich 8000 Kinder zu Erholungsaufenthalten in unverstrahlte Gebiete nach Deutschland gebracht. Aber auch soziale Einrichtungen in Belarus, wie etwas das Kinderzentrum Nadeshda oder der Bau von Ökohäusern in Stari Lepel für Umsiedler gehen auf die tragischen Ereignisse in der Nacht auf den 26. April 1986 zurück.

Wanderausstellung Tschernobyl
Welche Folgen der Supergau bis heute hat - für die noch lebenden Liquidatoren von einst, für die Region rund um Tschernobyl und für die Welt - macht die multimediale Ausstellung "Tschernobyl - die verdrängte Katastrophe?" deutlich, die Studenten der Uni Regensburg in einer Seminararbeit entwickelt und realisiert haben. Ausgehend von der Frage der Studentin Tina Mazur, die selbst als Kind umgesiedelt worden ist, gingen die Studenten der Frage auf den Grund, wie die Menschen mit der Erinnerung umgehen und welche Folgen bis heute spürbar sind. Mit Tafeln, Karten und auch Videosequenzen dokumentiert die junge Wander-Ausstellung die aktuelle Situation sowie eine Fahrt in die Sperrzone, einen Besuch im Tschernobyl-Museum und Interviews mit Überlebenden. 

Ergreifende ökumenische Andacht im Tagungsraum
In einer ergreifenden ökumenischen Andacht am Sonntag, 26. April 2009, gedachten die Konferenzteilnehmer der Opfer des Supergaus vor 23 Jahren. Vater Vladimir Baschkirov von der Orthodoxen Gemeinde Minsk, Pfarrerin Katharina von Bremen von der Evangelischen Akademie Willigst und Aliaksandr Famianykh vom Caritas Zentrum Minsk gestalteten die Andacht gemeinsam.
 

An Stellwänden präsentierten die Partnerschaftsinitiativen ihre Arbeit  - und kamen gleich in Kontakt mit anderen Aktiven. Der Erfahrungsaustausch steht bei den Partnerschaftskonferenzen traditionell im Mittelpunkt. 

Erholungsmaßnahmen für die Tschernobyl-Kinder gehen weiter

Gute Nachricht für die Erholungsurlaube für alle so genannten Tschernobyl-Kinder: Die Kinder aus den verstrahlten südlichen Gebieten der Republik Belarus dürfen nach der aktuell geltenden bilateralen Vereinbarung zwischen Deutschland und Belarus bis zum vollendeten 14. Lebensjahr drei Mal in das gleiche westliche Land ausreisen. Vorreisen aus der Vergangenheit werden dabei nicht mitgezählt. Gerechnet werden jeweils Besuche im Rahmen organisierter Gruppen. Private Einladungen einzelner Kinder sind von dieser Regelung nicht betroffen.
 
Diese gute Nachricht hatte Botschaftsrat Alexandr Levanovich im Gepäck. Schon im Februar - nach einem Besuch des belarussischen Außenministers beim deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier - war diese bilaterale Vereinbarung geschlossen worden. Eine zwischenbehördliche Arbeitsgruppe beschäftige sich aktuell mit der Definition bzw. Lockerung der Beschränkungen. Mehr dazu finden Sie hier

Engagierte Akteure (nicht nur) für die Tschernobyl-Kinder: Auf dem Foto links: Dr. Astrid Sahm, Dr. Jaroslov Baran, Dr. Klaus Oberländer und Ljuba Negatina. Unser Foto rechts zeigt in der Mitte die Ärztin und Abgeordnete der Minsker Nationalversammlung Swetlana Schilowa.

Impulse für die Fortsetzung der Arbeit

Einen weiteren Impuls zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit gab der Bericht von Andrea Schirmer-Müller vom Evangelischen Entwicklungsdienst in Bonn, bevor sich die Gäste  am frühen Nachmittag auf die Heimreise machten – mit vielen konkreten Plänen und Arbeitsaufträgen im Gepäck. 

Erholungsaufenthalte und Leuchtturmprojekte
Die deutsch- belarussischen und deutsch –ukrainischen Partnerschaftsinitiativen organisieren nicht nur jedes Jahr rund 8000 Tschernobyl-Kindern Erholungsaufenthalte in nicht verstrahlten Gebieten. In Belarus haben sie längst auch weithin sichtbare Leuchtturmprojekte  realisiert, vom Windrad bis zum Kinderzentrum, von der Agenda-Arbeit in Schulen, über Fortbildungen für Journalisten und Ärzte bis zum Aufbau einer Behindertenwerkstatt und eines Demonstrationslabors für erneuerbare Energien.  Der Verein Heimstatt Tschernobyl e.V. baut mit seinen belarussischen Partnern Ökohäuser für Umsiedler aus verstrahlten Gebieten. „Familien mit kleinen Kindern müssen raus aus den verstrahlten Gebieten“, berichtete der Arzt Dr. Ludwig Brügmann aus Kreuztal auf der Konferenz.

Ein starkes Team sorgte für eine gute Organisation

Ein starkes Team: Ob es um die Unterbringung der Konferenzteilnehmer ging, die Vermittlung von Gesprächspartnern, den Aufbau und Abbau von Stellwänden oder um die Moderation der Arbeitsgruppen - das Team des IBB war an den Konferenztagen sehr gefordert und gefragt. Unser Foto zeigt (v.l.): Hanna Robilka, Olga Rensch, Janina Lesniak und Eugenia Bauer-Schadrien. Auf dem Foto fehlen: Nathalie Haußner, Irina Wetzel und Martin Schön.

Alle Fotos: Evgenij Pomytkin IBB Dortmund/ Text und Videos: Mechthild vom Büchel 

Ermutigendes Medienecho im Hörfunk und in den Zeitungen

Irene Dänzer-Vanotti (r.) begleitete die Partnerschaftskonferenz.

Den elektronischen Pressespiegel zur Partnerschaftskonferenz finden Sie hier.

(Er wird in den nächsten Tagen noch ergänzt. Schauen Sie häufiger vorbei. Kennen Sie weitere Veröffentlichungen, die wir noch nicht erfasst haben? Dann informieren Sie uns doch bitte kurz per E-Mail!) 

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Letzte Aktualisierung: 30. April 2009 

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