Mehr als Reiseberichte: So erleben Teilnehmer unsere Angebote

Ein Blick durch die engen Gassen auf die Kaisermoschee. Synagoge, Kathedrale und Moschee sind nur einen Fußweg voneinander entfernt.

Ein Blick auf den jüdischen Friedhof von Sarajevo.

Ziel eines Abstechers: Die berühmte Brücke von Mostar.

Spannende Perspektiven für Fotografen bietet die Altstadt.

Ins rechte Licht gesetzt: In der Architektur spiegelt sich die wechselvolle Geschichte der Stadt.

Die Turmuhr von Sarajevo.

04.12.2012

Impressionen von den Motorradtouren: "Den Osten erfahren"

Beliebte Reihe von Bildungsurlauben geht ins 10. Jahr: Den Osten einmal anders erfahren - mit dem Motorrad

Den Osten „erfahren“ Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer seit 10 Jahren mit dem IBB – und das im doppelten Wortsinn: Motorrad fahren und Erfahrungen sammeln gehören untrennbar zusammen. Diese Art der Bildungsurlaube für Biker – anerkannt nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz in Nordrhein-Westfalen und Hessen - hat sich einen festen Platz erobert im Jahresprogramm des IBB und eine wachsende Fangemeinde weit über Nordrhein-Westfalen hinaus. Im neuen Jahr 2013 geht es mit drei Touren in den Thüringer Wald, ins Erzgebirge und an die Ostseeküste.  

Fester Platz im Jahresprogramm

,,Alle Ostdeutschen waren schon im Westen, aber weniger als die Hälfte der Westdeutschen im Osten‘ hieß es vor zehn Jahren und vermutlich ist die Zahl auch heute nicht falsch“, schätzt Klaus Nakielski, der die Fahrten seit zehn Jahren organisiert und leitet. „Die gleichbleibende Resonanz gibt uns recht: Immer wieder gibt es neue Anfragen und Lob für das ungewöhnliche Angebot.“ 

Politische Bildung "erfahren"

Vor 10 Jahren hatte sich das IBB Dortmund vorgenommen, noch mehr als bisher Vorurteile zumindest der Westdeutschen aus dem Wege zu räumen und - in diesem Falle Motorradfahrern - Erfahrungen und auch Fahrten in den damals noch „neuen“ Bundesländern anzubieten. In den ersten Jahren standen die Lausitz und der Spreewald im Mittelpunkt. Im Laufe der Jahre wurden weitere Zielregionen erkundet: das Erzgebirge, die Uckermark und Rügen, der Thüringer Wald und die Region um Bitterfeld. Allein fürs Motorradfahren wären die Ziele schon reizvoll genug: Doch was diese Motorradtouren einzigartig macht, sind die Aspekte der politischen Bildung, die ihnen die Anerkennung als Bildungsurlaube nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz einbringen. 

Begegnungen machen Dramatik des Wandels begreifbar

Es geht bei diesen Veranstaltungen um politische Bildung. Es geht darum, Menschen zu begegnen, die deutsch sind, jahrzehntelang in einem anderen politischen System gelebt haben und plötzlich „desozialisiert“ wurden. Menschen, denen von einem Tag auf den anderen gekündigt wurde, nicht nur Einzelnen, sondern zahlreichen Menschen landesweit. Menschen, denen dann die Marktwirtschaft - manchmal sogar in Form der Treuhand - auf den Pelz rückte, und für die sich das ganze Leben änderte“, sagt Klaus Nakielski. „Die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwandlungen stehen für unsere Reisegruppe jeweils im Fokus: Es geht nicht um theoretische Exkurse über diese Entwicklung, sondern um ein Lernen aus der Begegnung mit den Betroffenen.“ 

Spannende Geschichten am Wohnzimmertisch

Und wer dann, in Rahmen der ersten Tour aus der Reihe „Den Osten erfahren“ nach einer ziemlich langen Anfahrt in der tiefsten Lausitz angekommen ist bei Kerstin Thiele in der „Alten Näherei“ am großen Wohnzimmertisch, hat einen ersten Schritt in eine Welt gemacht, die vielen Westdeutschen weit entfernt erscheint. Kerstin Thiele bewirtet und berichtet – und macht die Geschichte der Region in spannend erzählten Geschichten aus dem Alltag begreifbar. 

Themen der Region bearbeiten

Die Motorradtouren greifen Fragestellungen auf, die sich in der jeweiligen Region anbieten. Wie wurde mit staatlicher Förderung eine Stadt wie Görlitz wieder aufgebaut, die aber trotz wunderbar sanierter Altbausubstanz immer noch gegen die Abwanderung der jungen Leute kämpft und inzwischen um Rentner aus dem Westen wirbt? „Wir setzen uns auch mit dem auseinander, was man nur als Unrechtsstaat bezeichnen kann, wie der Geschichte vom Knast in Bautzen, in dem - in nationalsozialistischer Tradition - die DDR ihre politischen Gegner gefangen gehalten hat“, schildert Klaus Nakielski. In der Lausitz geht es auch um die Geschichte des Braunkohleabbaus und um die Folgen des Raubbaus für die Natur. Die riesigen Tagebaulöcher und die Region standen ab 2000 im Zentrum der Internationalen Bauaustellung Fürst-Pückler-Land und wurden über zehn Jahre lang umgewandelt und neu gestaltet . Heute fühlen sich sogar die Wölfe dort wieder heimisch, wie das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz glaubhaft versichert. Der Blick auf das größte Eisenhüttenkombinat der damaligen DDR und die dazugehörige „sozialistische Planstadt“ Eisenhüttenstadt schließt diese erste Rundtour dann ab. Und wenn zum Ende dieser Woche bei einem Stadtspaziergang durch Eisenhüttenstadt der Stadtführer, ein ehemaliger Lehrer und Zeitzeuge, sehr lebendig von und aus seiner Stadt berichtet, haben alle Mitreisenden schon eine andere und ganz persönliche Sichtweise auf die Ostdeutschen, die DDR und ihre spezifische Geschichte. 

Gespräche eröffnen persönlichen Zugang

„Das Konzept dieser Touren ist es, möglichst immer das Gespräch mit Menschen zu suchen, die von dieser Wendezeit persönlich betroffen waren und bereit sind, darüber zu erzählen“, erzählt Klaus Nakielski, der inzwischen ein dichtes Netz von Zeitzeugen- und Experten-Kontakten geknüpft hat. „Zeitzeugen, auch wenn sie sich vielfach nicht als solche fühlen, eröffnen allen Teilnehmern dieser Veranstaltungsreihe einen ganz persönlichen Zugang, der auf einer einfachen Motorrad-Rundreise so nicht zu erzielen wäre.“ 

Bittere Geschichten aus der Schokoladenproduktion

Jede Tour erschließt andere Einblicke in die Geschichte und Gegenwart der „neuen“ Bundesländer, wobei allein schon die Diskussion darüber, wer denn nun die „neuen“ seien einen Einblick in doch recht unterschiedliche Sichtweisen bietet. Wer wollte nicht immer schon einmal wissen, was eigentlich aus Bitterfeld geworden ist, der größten Chemiekloake des Ostens? Die IBB-Touren „Den Osten erfahren“ haben mit dem Baudezernenten der Stadt einen kompetenten Gesprächspartner gefunden, der auch die Geschichte von AGFA und ORWO erläutern kann. Das gleiche gilt auch für die Stadtentwicklung von Halle - Neustadt oder die Geschichte der DDR - Schokoladenproduktion, die untrennbar mit der Stadt Saalfeld verbunden ist und uns von der Geschäftsführerin der jetzigen Stollwerk - Werke vor Ort erläutert wird. 

Blick in die Restaurierungswerkstatt im Fahrzeug-Museum Suhl

Dass dabei auch das Motorradfahren nicht zu kurz kommt, ist bei einer Region wie dem Thüringer Wald, dem Rennsteig und Orten wie Suhl, dem ursprünglichen Produktionsstandort der Motorradmarke Simson, wohl selbstverständlich. Und auch, dass diese Geschichte dann vom letzten Leiter der Entwicklungsabteilung im Fahrzeugmuseum Suhl erläutert wird und mit einem Rundgang durch die Restaurierungswerkstatt des Museums endet. 

DDR-Gesundheitssystem wird 2013 neuer Schwerpunkt

Das neue Jahr 2013 bietet neben den beliebten Zielen Erzgebirge und Thüringer Wald eine Reise an der Ostseeküste entlang, die von Rostock bis nach Travemünde führt. Der Nationalpark Zingst / Darß ist eines der Ziele. Inhaltlich geht es schwerpunktmäßig um das DDR-Gesundheitssystem, das mit Gemeindeschwestern und der größten Diabetesklinik Europas einige Besonderheiten hatte. Daneben geht es um Offshore – Windparks und das Schicksal der Werften. Erstmals wird die Reisegruppe in Travemünde nachfragen, wie es denn im Westen war, im Zonengrenzgebiet zu leben. 

Unser Konzept, Bildungsinhalte und Motorradfahren miteinander zu verbinden wird in den nächsten Jahren fortgeführt. Eine Vielzahl an interessanten und spannenden Themen wartet auf Bearbeitung und das lebendige und abwechslungsreiche Seminarangebot, das über die Jahre entwickelt wurde, findet immer mehr Freunde.

 

Den Flyer für die Tour ins Erzgebirge finden Sie hier.  

Den Flyer für die Tour in den Thüringer Wald finden Sie hier

Den Flyer für die Tour an die Ostsee finden Sie hier.  

Nähere Infos über die die Veranstaltungsreihe "Den Osten „erfahren“ gibt es  telefonisch unter 0231- 9520960. 

23.05.2012

Eintauchen in die bewegte Geschichte einer ungewöhnlichen Stadt

Studienfahrt führte schon jetzt in die Kulturhauptstadt 2016 Breslau

14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fuhren Anfang Aoril 2012 mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk in Dortmund nach Wroclaw. Die Fahrt stand unter dem Thema „Breslau gestern – Wroclaw heute – 2016 europäische Kulturhauptstadt“.  Diese verschiedenen Facetten wurden bei manchen Erkundungen und in vielen Gesprächen deutlich.

Die Stadt wurde noch in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs stark zerstört, weil die Nazis sie zur Festungsstadt erklärt hatten. Aber insbesondere die Innenstadt wurde mit hohem Engagement wieder aufgebaut und überwiegend im alten Stil restauriert.

Die wirtschaftlich positive Entwicklung in Polen seit dem EU-Beitritt, aber auch die anstehende Fußball-Europameisterschaft haben viele interessante, moderne Bauten entstehen lassen.

Die deutsche Geschichte der Stadt wird nach jahrzehntelanger Tabuisierung jetzt offensiv be- und verarbeitet. Hier waren die beiden Gespräche mit einer 86-jährigen Zeitzeugin, die Zeit ihres Lebens in Breslau lebte sowie mit Herrn Witt, der aus seiner Sicht als polnischer Protestant die Geschichte der letzten Jahrzehnte Revue passieren ließ, von hohem Interesse. Breslau, heute die viertgrößte Stadt Polens und Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesiens, gehörte bis 1945 zum Deutschen Reich.

Die jüdische Geschichte der Stadt wurde deutlich beim Besuch und vor allem Gespräch in der jüdischen Gemeinde und der wunderschön restaurierten Synagoge „Zum weißen Storch“, in der heute auch viele Kulturveranstaltungen einen angenehmen Rahmen finden. Einer berühmten Einwohnerin, Edith Stein – die einst vom jüdischen zum katholischen Glauben übergetretene Breslauerin, die später in Auschwitz ermordet worden war – gedachte die Reisegruppe in deren Elternhaus: Es ist heute auch ein überregional bekannter Ort der Begegnung und Verständigung geworden.

Fast alle Friedhöfe wurden nach 1945 eingeebnet. Der jüdische Friedhof aber blieb erhalten und erinnert heute noch an viele bekannte und unbekannte deutsche Juden.

Wroclaw präsentiert sich heute als eine moderne Großstadt mit mehr als 600.000 Einwohnern. Die vielen Studenten verleihen der Stadt ein nachgerade jugendliches Flair. Wroclaw bereitet sich außerdem auf die Austragung der Fußball-EM 2012 vor. Viele Infrastrukturmaßnahmen sowie das neue Stadion prägen das neue Stadtbild.

Die Reisegruppe wunderte sich schließlich nicht, dass sich Wroclaw mit seiner vielfältigen Geschichte gegen andere polnische Bewerberstädte als europäische Kulturhauptstadt 2016 durchsetzen konnte. Die Planungen laufen dafür an, wie die Reisegruppe im Gespräch mit Vertretern des Organisationskomitees erfuhren.

Einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dieser Studienfahrt hatten persönliche familiäre Beziehungen nach Breslau bzw. Schlesien und konnten eigene Erfahrungen und Erinnerungen einbringen. Die gesamte Reisegruppe war am Ende froh, viele verschiedene Aspekte der langen Geschichte der Stadt in persönlichen Gesprächen erfahren zu haben.

Die Leitung der Studienfahrt im deutsch-polnischen Duett von IBB- Mitarbeiter Heiko Hamer und Renata Milosz-Bardzik, die in Wroclaw aufgewachsen ist, hatte ihren Anteil zum guten Gelingen der Fahrt beigetragen.

01.12.2011

Rückblick auf ein ereignisreiches Jahr 2011

Januar 2011: Sylvia Löhrmann , NRW-stellvertretende Ministerpräsidentin, eröffnet die Wanderausstellung 25 Jahre nach Tschernobyl – Menschen – Orte – Solidarität“ am 15. Januar 2011 in Dortmund.

Eine Schülergruppe aus Dortmund, unterwegs mit dem IBB Dortmund, trifft in Auschwitz zufällig auf Bundespräsident Christian Wulf.

Februar: Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau eröffnet die Wanderausstellung „ewoca³ - Eindrücke und Ausblicke“ am 1. Februar 2011 in Dortmund.

März: Das IBB-Team bekommt Verstärkung: Dr. Katja Sündermann (l.) und Hülya Özkan (2. v. r.) unterstützen Hildegard Azimi-Boedecker ab 1. März 2011.

Der Bildband zur Wanderausstellung „Verlorene Orte – Gebrochene Biografien“ ist fertig: Peter Junge-Wentrup und Olga Rensch präsentieren ihn in Dortmund.

Jugendliche nehmen die Wanderausstellung besonders intensiv wahr.

Prominenter Besuch bei der ersten Wanderausstellung in Brandenburg: Ministerpräsident Matthias Platzeck eröffnet die Wanderausstellung in Eisenhüttenstadt.

Startklar für die dritte Runde: Der Projektplanungskongress in Hattingen ist der Auftakt für die dritte und letzte Reihe der Jugendbegegnungen mit diesen Projektpartnern.

SPD-Parteivorsitzender Sigmar Gabriel besucht die Tschernobyl-Ausstellung in Braunschweig.

April: Fernsehkameras richten sich immer wieder auf die Zeitzeugen: Hier steht Igor Pismenskij im Licht der Kamera (ebenfalls in Braunschweig).

April: Bundestagspräsident Norbert Lammert empfängt Peter Junge-Wentrup und Ludwig Brügmann in Berlin und erhält die Dokumentation „Stimmen nach Fukushima und Tschernobyl“.

Die SPD-Bundestagsfraktion lädt Vertreter von 250 Tschernobyl-Initiativen zur Konferenz nach Berlin ein: Peter Junge-Wentrup diskutiert mit MdB Marco Bülow (mit dabei auch Dr. Astrid Sahm und Dr. Ludwig Brügmann). Die Bundestagsdebatte läuft am 8. April 2011.

Noch einmal Berlin: Dr. Frank-Walter Steinmeier richtet sich bei der Konferenz in Berlin an die Vertreter der Initiativen.

Die Wanderausstellung wird im Willy-Brandt-Haus in Berlin gezeigt.

Der Grundstein ist gelegt für die Zukunftswerkstatt Minsk. IBB-Kurator Herbert Schnoor (r.) ist in Minsk dabei.

Bärbel Höhn begleitet im Rahmenprogramm der Partnerschaftskonferenz in Minsk eine Exkursion in Belarus.

Sie wird das Vorbild für viele engagierte Menschen in Europa: Die symbolische Kerzenaktion erinnert im April in Minsk an die Opfer von Tschernobyl.

Mai: Unterdessen ist die Wanderausstellung fast pausenlos unterwegs – immer begleitet von einem IBB-Mitarbeiter: Und wieder „kriechen“ Jugendliche fast in die Ausstellungswände hinein, um möglichst viele Informationen aufzunehmen.

Juli: In Dortmund startet eine weitere erfolgreiche Reihe des IBB: Die Fortbildungen zur kultursensiblen Pflege genießen seit 2011 die Förderung durch den Europäischen Integrationsfonds.

ewoca³ führt diesmal in zwölf Nachbarländer. Hier wird das Projekt in Ivrea in Italien feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

In Ungarn ist die Gruppe des Sozialen Friedensdienstes für Osteuropa unterwegs und schickt ein spannendes Tagebuch auf die Homepage ewoca³.

August: Bünde in Westfalen ist der einzige ewoca³-Treffpunkt in Deutschland in diesem Jahr: Hier bringen junge Erwachsene aus drei Ländern sogar ein Theaterstück auf die (Freilicht- ) Bühne des Wiesenhofs und beweisen ganz beachtliche handwerkliche und kreative Leistungen.

Junge Erwachsene gehen wieder mit dem Regionalen Weimarer Dreieck auf Reisen. Diesmal führt die französisch-deutsch-polnische Jugendbegegnung auf Einladung der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei nach Nordfrankreich.

Zweite Begegnung mit Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert: Beim Zeitzeugengespräch der Generationen in Bochum appelliert er an die jungen Zuhörer, dass Freiheit und Demokratie Schutz brauchen.

Das Jugendnetzwerk Dortmund-Trabzon bringt Gäste aus der fernen nordöstlichen Türkei im August nach Dortmund: Einer der Höhepunkte ist der Besuch des Signal-Iduna-Parks in Dortmund.

Das Jugendnetzwerk Dortmund-Trabzon bringt Gäste aus der fernen nordöstlichen Türkei im August nach Dortmund: Einer der Höhepunkte ist der Besuch des Signal-Iduna-Parks in Dortmund.

Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau empfängt die Jugendgruppe aus Trabzon und ihre City-Angels aus Dortmund im Dortmunder Rathaus.

September: Ein weiteres Projekt des IBB Dortmund erhält Fördermittel aus dem Europäischen Integrationsfonds: „Partizipation durch Wissen“ bildet im Schneeballsystem Multiplikatoren aus, die Zuwanderern helfen.

Dr. Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD- Bundestagsfraktion in Berlin, besucht die Tschernobyl-Wanderausstellung in Hameln.

September: Getreu dem Motto „Erinnern für eine gemeinsame Zukunft“ beteiligt sich das IBB Dortmund federführend im Trägerkreis für die Ausstellung „Lichter in der Finsternis – Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden".

Kein geringerer als Schauspieler Claus-Dieter Clausnitzer aus Dortmund bereichert die Eröffnung der Ausstellung zu Raoul Wallenberg im Reinoldinum.

In Minsk nimmt Christina Rau, Witwe des verstorbenen früheren Bundespräsidenten und Namensgebers der IBB Minsk, Johannes Rau, am Freiwilligenforum teil.

Christina Rau und Bernd Schmalhausen enthüllen gemeinsam mit IBB –Vorstand Professor Manfred Zabel eine Gedenktafel für den früheren Richter Ferse aus Essen, der nach Minsk deportiert und dort ermordet worden war. Das IBB will weiterhin den Verschollenen ein Gesicht geben.

Oktober: Ausgezeichnete Arbeit: Das IBB Dortmund erhält in Bonn den „einheitspreis 2011 – Bürgerpreis zur deutschen Einheit“ für die Zeitzeugengespräche zum Mauerfall und zur Deutschen Einheit.

Fachkräfte aus Trabzon und Istanbul besichtigen Einrichtungen der Jugend- und Behindertenarbeit in Nordrhein-Westfalen auf Einladung des IBB. Dieses „workshadowing“ dient der Vorbereitung auf die erste deutsch-türkische Fachkräftetagung in Dortmund.

Dr. Lale Akgün, Mitarbeiterin der Staatskanzlei von Nordrhein-Westfalen, hält ein Impulsreferat zum Auftakt der Fachkräftekonferenz am Samstag, 8. Oktober 2011, in Dortmund.

Der „Dialog mit der Türkei“ tritt mit der Fachkräftekonferenz in eine neue Phase ein: Zur Eröffnung begrüßte das IBB unter anderem Carina Gödecke (stellv. Landtagspräsidentin), Sezai Ekiz (stellv. Generalkonsul) und Dortmunds Stadtdirektor Jörg Stüdemann.  

Abschluss eines Großprojektes in Schwerte: Beim Netzwerktreffen am 5. und 6. November in Schwerte tauschen sich Vertreter der rund 50 Trägerkreise über ihre Erfahrungen aus und schmieden Pläne für Aktivitäten zum 26. Tschernobyl-Jahrestag im Jahr 2012.

28.11.2011

Bildungsurlaub in Ungarn vermittelte kompakt und kompetent einen Einblick in die Geschichte und Gegenwart der Juden in Budapest

Jüdisches Leben gestern und heute nehmen die Studienfahrten des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks in Dortmund (IBB) immer wieder gern in den Blickpunkt: In diesem Jahr ging es vom 22. bis 29. Oktober 2011 nach längerer Zeit erstmals wieder nach Budapest – in ein EU-Nachbarland, auf das das IBB mit der Ausstellung „Raoul Wallenberg und die Rettung der Budapester Juden“ bereits die Neugier geweckt hatte. In der ungarischen Hauptstadt machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Suche nach Spuren der 1000jährigen Stadtgeschichte und nach der Geschichte der Juden. Führungen durch das Jüdische Museum, Besuche der Dohany- und anderer Synagogen, einer jüdischen Schule, des „Hauses des Terrors“ und des Balint-Hauses für jüdische Kultur durften ebenso wenig fehlen wie ein Besuch im Holocaust-Museum: Nach dem achttägigen Bildungsurlaub waren die Teilnehmer ganz begeistert: „Bestens vorbereitet und betreut, ein voller Erfolg.“    

Mit Kati Sattler hatte das IBB Dortmund nicht nur eine deutsch sprechende Budapester Jüdin als Reiseleiterin vor Ort gewinnen können, sondern auch eine aufmerksame Beobachterin der politischen Lage im EU-Nachbarland. In einem Interview beantwortete sie uns einige Fragen: 

Welchen Eindruck hinterließ das nicht unumstrittene „Haus des Terrors“ ?

Kann man, muss man parallel über faschistische und kommunistische Diktatur sprechen? Kann man, muss man diese Systeme vergleichen? Und wenn das Haus diese Zielsetzung gehabt hat, was sagt dann das Verhältnis aus: zwei Ausstellungsräume für den faschistischen Terror und mehr als 10 Ausstellungsräume für den kommunistischen Terror?
Und: Wie kann man an der Wand der Täter, Fotos über Menschen mit Namen und Geburtsdatum  aufhängen, ohne zu erwähnen was der- oder diejenige getan hat? Mörder, die größten Verbrecher, und „einfache“ Mitglieder der ungarischen Stasi hängen dort durcheinander.  

Wie präsentiert sich das heutige jüdische Leben in Budapest ?

In jeder Hinsicht lebendig: sowohl kulturell, als auch in der Religion, als auch im Unterrichtwesen. Die Budapester Juden haben in hoher Zahl den Holocaust überlebt. Doch -  nach dem Schock des Holocausts und auch wegen der kommunistisch–sozialistischen Zeit, in der Religionen kaum geduldet waren - konnte man bis zur Wende kaum über jüdisches Leben in Budapest sprechen. Das jüdische Leben in Budapest erlebt eine Renaissance.

Gibt es politisch tatsächlich einen Rechtsruck in Ungarn ?

Eindeutig ja.  

Welches Interesse zeigen Deutsche am Thema „Jüdisches Budapest“ ? Überwiegt die Holocaust-Erinnerung oder mehr das heutige jüdische Leben ?

Holocaust-Erinnerung ist ein Teil des Themas. Am wichtigsten ist es – nach meiner Auffassung - die Geschichte zu verstehen. Selbstverständlich haben die Teilnehmer kein Wissen über die Geschichte Ungarns während des Zweiten Weltkrieges. Also, das Interesse an der Geschichte ist immer groß: Warum nahm Ungarn an der deutschen Seite teil? Wie konnte es geschehen, dass die ungarischen Juden bis zum Jahre 1944 nicht in Lebensgefahr waren? Wie konnte es sein, dass nach der deutschen Besatzung, innerhalb von 2 bis 3 Monaten 600 000 Juden deportiert wurden? Und: Wie konnten schließlich doch so viele Budapester Juden den Holocaust überleben? Ebenso groß ist das Interesse, das heutige jüdische Leben kennen zu lernen.  

 Gibt es auch heute noch einen Antisemitismus ?

Ja, und leider immer stärker und stärker. Erstens, weil die wirtschaftlichen Probleme immer größer und größer werden. Sündenbock dafür sind die Juden und die Roma. Zweitens: Lange Zeit konnte man Juden in Budapest nicht sehen, weil sie sich versteckt haben. Die Synagogen waren leer, es gab keine Schule, keine jüdische Kulturveranstaltung und so weiter. Heute verstecken sich die Juden nicht mehr.

 Welche Strömungen gibt es unter den Budapester Juden ?

Erstens gibt es verschiedene Strömungen in der Religion. Orthodoxe Juden gibt es genau so wie Reform -Juden wie Neologen (diesen Begriff gibt es fast nur in Ungarn) und so weiter. Aber es gibt auch ein nicht an die Religion geknüpftes jüdisches Leben, hauptsächlich kulturelles, die Traditionen pflegendes Leben.

Sollte man andere Akzente und Programmpunkte setzen bei einer Studienfahrt „Das jüdische Budapest“?

Andere Akzente vielleicht nicht. Aber je mehr persönliche Treffen es gibt, desto besser.

Auch Hartwin Garonyi, der zweite Begleiter der Reisegruppe, warf nach der Rückkehr noch einmal einen krititschen Blick zurück auf die Reise:

Welcher Eindruck von dieser Fahrt war der bedeutendste ?

Die spannenden Gespräche über die aktuelle politische Situation.

Wird angemessen an den Holocaust der ungarischen Juden in Budapest erinnert ?

Eigentlich schon, das Holocaust-Museum zeigt sehr gute Einblicke, aber man hat den Eindruck, dass das Thema in der Stadt insgesamt eher untergeordnet ist.

Welchen Eindruck hinterließ das Haus des Terrors ?

Bedrückend - und einseitig, wenn es denn Anspruch hat, den Opfern des Holocausts gerecht zu werden.

Wie präsentiert sich das heutige jüdische Leben in Budapest ?

Insgesamt sehr lebendig und vielseitig, konservativ neben modern, und größtenteils offen für alle, z.B. bei Festivals, aber auch in den Synagogen etc.

Gibt es politisch tatsächlich einen Rechtsruck in Ungarn ?

Letztendlich schon, wenngleich es nicht ganz das gleiche "rechts" ist wie in Deutschland, da es in Ungarn eine ganz andere nationale Problematik gibt.

 

04.05.2010

Reisegruppe erkundet Erfurt mit dem weiblichen Blick

Mit dem weiblichen Blickwinkel näherten sich 15 Frauen mit dem IBB und der Ev. Frauenhilfe Dortmund und Lünen vom 27. bis 29. März der Stadt Erfurt.
 
Angefangen hatte die Tour bei einer historischen Unterkunft, dem früheren Männerkloster, in dem Luther seine Ausbildung zum Priester erhielt. Heute werden hier Tagungsgäste unter anderem von einem evangelischen Frauenorden betreut und bewirtet. Über die mittelalterli-che Bedeutung Erfurts, eine der größten und wichtigsten Städte im Deutschen Reich, in der seit dem letzten Jahr hochinteressante Spuren des mittelalterlichen, jüdischen Lebens zu bestaunen sind, ging es weiter: Regelrecht wiederentdeckt wurde die alte Synagoge und dazu ein wahrer, goldener Schatz, der dort nun ausgestellt ist! Dieser seltene, mittelalterliche jüdische Schatz inklusive der Synagoge und einer Mikwe (einem rituellen Reinigungsbad), die zurzeit ausgegraben wird, ist die Grundlage für einen Antrag Erfurts, auf die Liste des UNESCO-Kulturerbes gesetzt zu werden. Das konnte Frau Stürzebecher den Teilnehmerin-nen kompetent und sehr lebendig veranschaulichen.

Und so ging die Tour weiter bis hin zu den Führungen in der ehemaligen Werkstatt samt Wohnhaus einer Bauhausschülerin (Margaretha Reichardt) und Erfurts neuer Oper: Die Teil-nehmerinnen waren angetan von den kulturellen Schätzen der Stadt und genossen die Be-gegnung und den Austausch mit den sachkundigen und versierten Referentinnen und Refe-renten. Ein Besuch im Frauenzentrum mit Gesprächen über alte Zeiten (unter anderem die  DDR) und neue rundete den Eindruck ab.

Einige Frauen waren vorher schon mal in Erfurt gewesen – nun gab es doch eine Menge neuer Eindrücke unter neuer Perspektive: Das ließ alle hoch motiviert wieder nach Hause fahren und gespannt sein auf eine neue „weiblich - Stadt“ in 2011!

Das IBB bietet regelmäßig mindestens einmal im Jahr eine Studienfahrt nur für Frauen an. Aber auch die Studienfahrten für Männer und Frauen erfreuen sich großer Beliebtheit. Die aktuelle Liste der Veranstaltungen finden Sie hier.

12.11.2009

Zum 20. Jahrestag des Mauerfalls: Studienfahrt nach Berlin

Die Open-Air-Ausstellung am Alexanderplatz, das Deutsche Historische Museum und das Brandenburger Tor waren Stationen der Studienfahrt zum 20. Jahrestag des Mauerfalls vom 7. bis 9. November 2009 nach Berlin. Fotos: Heiko Hamer / IBB.

In der ersten Reihe saßen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Berlinfahrt des IBB: Den 20. Jahrestag des Mauerfalls verbrachten sie in der deutschen Hauptstadt, sahen die Open-Air-Ausstellung am Alexanderplatz und die nachempfundene Mauer aus Dominosteinen mit eigenen Augen.

Am Samstag, 7. November 2009, hatte sich die Reisegruppe mit Heiko Hamer, Leiter des Fachbereichs Jugend und Schule, auf den Weg gemacht und am Ziel erste Stadterkundungen unternommen. Eine interessante Begegnung ergab sich am Sonntag, 8. November, nach einem Gottesdienst in der Immanuel-Kirchengemeinde am Prenzlauer Berg. In einem offenen Gespräch tauschte sich die Reisegruppe mit Gemeindegliedern aus über ihre Erfahrungen im geteilten Deutschland und ihre Erinnerungen an den Mauerfall. „Pfarrer Scheufele hat uns ganz eindrücklich von seiner Lebensgeschichte erzählt und es haben sich interessante Gespräche entwickelt über das Miteinander zwischen Ost - und Westdeutschen 20 Jahre nach dem Mauerfall“, erzählt Hamer. Über ihre stets geübte Vorsicht bei allen regimekritischen Aktivitäten und ihre Angst beim Grenzübertritt berichteten die Ostdeutschen, über ihr mulmiges Gefühl beim Grenzübertritt die Westdeutschen.

Am Sonntagnachmittag stand ein Gespräch mit Zeitzeugin Sigrid Paul auf dem Programm, die in der Woche zuvor schon in nordrhein-westfälischen Schulen am Zeitzeugenprojekt teilgenommen hatte. Der Nachmittag war der jüdischen Geschichte gewidmet.


Den 20. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November - dem Schicksalstag der Deutschen - verbrachte die Reisegruppe ganztägig an geschichtsträchtigen Orten. Im Deutschen Historischen Museum verfolgten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Vormittag zunächst den Ostdeutschen Jugendgeschichtstag. In ihren Vorträgen erinnerten Lothar de Maiziere und Wolfgang Thierse daran, dass neben dem Mauerfall weitere historische Ereignisse mit dem 9. November verbunden sind wie die Proklamation der Weimarer Republik und die Reichspogromnacht 1938.

Mit einer Besichtigung in der Gedenkstätte Oranienburger Straße erinnerte sich die Reisegruppe an den ersten brutalen Höhepunkt der systematischen Judenverfolgung im Nazi-Deutschland.

Am Abend erlebte die Reisegruppe das fröhliche Jubiläumsfest des Mauerfalls – das Millionen Menschen gebannt an den Fernsehern verfolgten – hautnah mit am Brandenburger Tor. Die Reisegruppe hatte einen Platz regelrecht in der ersten Reihe gefunden – mit bestem Blick auf das Symbol der deutsch-deutschen Teilung und auf die kunstvoll gestaltete symbolische Mauer aus übergroßen Dominosteinen.

Noch am späten Abend kehrte die Reisegruppe zurück nach Nordrhein-Westfalen – nach einem nur dreitägigem Programm neu aufgeladen mit vielfältigen Denkanstößen und Eindrücken.

 

Studienfahrt "September 1939 in Polen und Belarus"

Unterwegs nach Warschau, Pinsk und Minsk

Diese Dia-Show startet automatisch. Die Fotos haben Matthias Tümpel, Helmut Prange und Evgenij Pomytkin freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Sie zeigen die Gedenkstunde in Warschau, den Besuch in der jüdischen Gemeinde Pinsk sowie Impressionen vom Studientag in Minsk. 

  

Mitglieder der Gesellschaft für christlich- jüdische Zusammenarbeit Siegerland waren Teil einer historisch- ökumenischen Studienreise des IBB mit Deutschen und Polen aus Anlass des Jahrestages des deutschen Überfalls auf Polen, mit der der Weltkrieg begann.

Seine Folgen sind bekannt.  Am Ende haben Millionen ihr Leben und Deutschland seine Ostgebiete verloren. Weniger bekannt hierzulande ist, dass Polen durch den Einmarsch der Roten Armee am 17. September 1939 seine Ostgebiete verloren hat. Das ist auch nach 70 Jahren eine Belastung in den Beziehungen zum östlichen Nachbarn Belarus. Für die meisten der polnischen Partner war es die erste Reise ins Nachbarland.

Ausgangspunkt war die polnische Hauptstadt, deren wiederaufgebaute Altstadt sich den Besucher von ihrer Sonnenseite zeigte. In Warschau stiessen  Elisabeth und Konrad Raiser aus Berlin zu der Gruppe. Der frühere Generalsekretär des Oekumenisches Rates der Kirchen in Genf und Bochumer Theologieprofessor.Raiser sprach Gedenkworte am Mahnmal für das Warschauer Ghetto, wo 1970 Willy Brandt kniete. Nach einer Schweigeminute wurden Rosen niedergelegt.
 
Die erste Station der Eisenbahnreise in Belarus war Pinsk mit einer Stadtrundgang und Besuchen in der Synagoge und im katholischen Priesterseminar. Chaim Weizmann und Golda Meir haben hier ihre Wurzeln gehabt. Die kleine jüdische Gemeinde erlebt gerade eine Wiedergeburt, von der ihr Vorsitzender Liebermann berichtete. Im Priesterseminar wurde polnisch gesprochen. In der vor einigen Jahren zurückgegebenen  Kapelle stammt die Bestuhlung  noch von den früheren Bewohnern. Im ehemaligen Kino der Roten Armee beten nun 40 Priestersschüler.

In der Internationalen Bildungs- und Begegnungstätte „Johannes Rau“ in Minsk , die ihren 15 Geburtstag feiern konnte, wurde dann ein Studientag veranstaltet zum heiklen Thema der belarussisch – polnischen Beziehungen. Die Emotionen unter den Zuhörern zeigten, dass das Ringen um historische „Wahrheit“ meist in Sackgassen führt. Es war dann  Konrad Raiser, der an die Erfahrungen der berühmten Ostdenkschrift der Ev. Kirche an 1965 anknüpfte. Der Jurist Ludwig Raiser, sein Vater, hatte daran mitgearbeitet. Zusammen mit dem Briefwechsel der deutschen und polnischen katholischen Bischöfe gilt diese Schrift als das Fundament, auf dem die Ostpolitik von Brandt aufbauen konnte. Die Grenzen sind ein Ergebnis des Krieges. Wenn sie akzeptiert werden, können sie ihren trennenden Charakter verlieren. In diesem Lernprozess haben Polen und Deutsche viele Brücken zueinander gebaut.

Nachdem die deutsche Schuld – symbolisch auch durch den Kniefall in Warschau – anerkannt war, begann die Entgiftung zwischen den Völkern. Viel schwerer ist das für Völker, die beide Opfer des Krieges sind. Was die Polen als Verlust von 1939 beklagen, gilt in Belarus als Wiedervereinigung mit den westlichen Gebieten, die erst 1920 an Polen gingen. Die Schritte der Versöhnung und des Brückenbaus zeigen Wirkung in Europa. Der Studientag war eine Einladung an die östlichen Nachbarn, ähnlich aufeinander zu zugehen.

Die vielen Gespräche haben dazu ermutigt. Die Übersetzer in den drei Sprachen russisch- polnisch- deutsch hatten viel zu tun. Das Motto von Johannes Rau „Versöhnen statt  Spalten“ hat sich erneut bewährt in der nach ihm benannten gastlichen Begegnungstätte in Minsk – 26 Eisenbahnstunden östlich von Siegen. "Erinnern für eine gemeinsame Zukunft in Europa" ist ein Lernweg aus der Einsicht des polnischen Dichters „Der Schlüssel zu einer Situation steckt oft in der Tür des Nachbarn“. 

 

Manfred Zabel,

stellv. Vorsitzender des IBB

500 Jahre Calvin – Besichtigung der Wirkungsstätten machen die Biografie des Vordenkers begreifbar

Auf den Spuren von Johannes Calvin reisten 27 Teilnehmer des IBB vom 13. bis 19. April ins Elsass, nach Basel, Zürich, Genf sowie zum Abschluss nach Herbishofen im Allgäu.  Die Studienfahrt „500 Jahre Calvin“, die das IBB als Leserreise der westfälischen Kirchenzeitung „Unsere Kirche“ organisiert hat, erinnert an den Geburtstag des Franzosen im Jahr 1509.   

Kompetente Führungen und erhellende Begegnungen
Mit kompetent geführten Stadtrundgängen und der Besichtigung von Kirchen, in denen  Calvin im 16. Jahrhundert gepredigt hat, vermittelte die Reise interessante Zugänge zur Biografie des Vordenkers, der mit dem nach ihm benannten Calvinismus eine Richtung innerhalb der evangelischen Kirchen geprägt hat.

Besuch beim Weltkirchenrat in Genf
Der Besuch von reformierten Gemeinden in Basel und Zürich vertiefte das Wissen wie immer bei den Reisen des IBB mit Begegnungen. In Genf konnte Calvin seine theologisch-theoretischen Vorstellungen in eine gemeindliche Praxis umsetzen. Dort besuchte die Reisegruppe die Calvin-Ausstellung sowie das Reformationsmuseum. In Genf hatte das IBB auch einen Besuch beim Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und dem Reformierten Weltbund organisiert.

Halt an der ältesten reformierten Kirche Deutschlands
Auf dem Rückweg machte die Reisegruppe Station in St. Gallen und besuchte die Stiftsbibliothek und die Benediktiner-Abtei in Ottobeuren. In Herbishofen, in der Nähe von Ottobeuren, wo die älteste reformierte Gemeinde Deutschlands beheimatet ist, war die letzte Station der informativen Reise. Hier durften die Teilnehmer an der

Studienfahrt auch einen Gottesdienst mitfeiern. 

Eine weitere Studienreise „500 Jahre Calvin“ bietet das IBB an vom 15. bis 21. August 2009. Einige Plätze sind noch frei. Das ausführliche Reiseprogramm finden Sie hier.

Dortmunder Reisegruppe erkundet das „jüdische Berlin“

„Das jüdische Berlin“ entdeckten zehn Mitglieder der evangelischen Elias-Kirchengemeinde aus dem Dortmunder Westen vom 3. bis 6. Oktober 2008: In die deutsche Hauptstadt waren sie mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB) gereist.

Reiseleiter Heiko Hamer, Referent für den Fachbereich Jugend und Schule im IBB, ermöglichte viele Einblicke, die Hauptstadt-Touristen in der Regel verborgen bleiben: Schon ein Rundgang um die Unterkunft in der Nähe der Hackeschen Höfe lenkte das Auge auf Spuren des alten jüdischen Viertels, das bis heute seiner Tradition treu geblieben ist. Über das nicht gerade spannungsfreie Verhältnis zwischen dem Islam und dem Judentum informierte ein kundiger Referent bei einer Führung durch das jüdische Museum.

Für die aufmerksamen Besucher öffneten sich auch die Pforten der prächtigen, liebevoll restaurierten Synagoge in der Rykestraße. Gelegenheit zu einer aufschlussreichen Begegnung hatte die Reisegruppe aus Dortmund außerdem in der jüdischen Heinz-Galinski-Grundschule. Auch dem Blick zurück auf die dunklen Kapitel der Geschichte gab das Reiseprogramm Raum: Eine Führung durch die Ausstellung „Topographie des Terrors“ und durch das Haus der Wannsee-Konferenz brachten den Besuchern die tragische Geschichte des Völkermordes eindrucksvoll nah.

Mit dem Besuch eines Gottesdienstes in der Immanuel-Kirche frischte die frühere Immanuel-Gemeinde ihre partnerschaftlichen Kontakte zur früheren DDR-Gemeinde wieder auf. Durch Vermittlung des Dortmunder Bundestagsabgeordneten Marco Bülow konnten die Besucher außerdem am Tag der Deutschen Einheit dem Bundestag einen Besuch abstatten.

Die vielfältigen Eindrücke der nur viertägigen Studienfahrt ließ die Reisegruppe noch einmal bei einem Nachtreffen Revue passieren: Mit der jüdischen Geschichte auch in der eigenen Gemeinde wollen sich viele nun intensiver beschäftigen und auch in anderen europäischen Städten der jüdischen Geschichte nachspüren. Das IBB wird auch im Jahresprogramm 2009 wieder einige interessante Fahrten zum Thema präsentieren.  
 

 

Im Gedenken an die Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft:

Eine deutsche Reisegruppe besucht Weißrussland

Spiegelung am Schloss Mir.
Bei der Führung.
Torbogen am Schloss.

Eine Reisegruppe mit vierzehn Teilnehmern aus dem Siegerland besuchte vom 19. bis 26. Oktober Weißrussland, um der Auflösung des Minsker Ghettos am 21. Oktober 1943 zu gedenken. Organisiert wurde diese Reise von der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland, vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB) mit Sitz in Dortmund und der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“, Minsk. Die Gedenkfahrt wurde von Manfred Zabel geleitet.

Der Verband der Jüdischen Gemeinden erinnerte am 21. Oktober mit einer Veranstaltung in der Jama, dem Erschießungsplatz des Ghettos, an die schrecklichen Ereignisse bis zur Auflösung 1943. In den Jahren 1941 bis 1943 waren dort 60 000 Juden aus ganz Europa ermordet worden.
 
Zur Erinnerung an die Opfer aus Köln, Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis wurde am 22. Oktober auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Ghettos ein Gedenkstein eingeweiht. Für die deportierten Bürger aus Düsseldorf, Hamburg und Bremen stehen an diesem Ort bereits Gedenksteine - und 2009 soll noch ein Gedenkstein für Berlin folgen. Abends nahm die Gruppe an einer Gedenkveranstaltung im Konzertsaal Minsk teil, bei der auf Einladung des IBB Dortmund auch Bundesinnenminister a.D. Manfred Stolpe sowie der deutsche Botschafter in Minsk, Gebhard Weiss, sprachen.

Weitere Stationen der Reise waren die Besichtigung der Mahnmale Chatyn - ein Gedenkort an die 629 Dörfer, die im Zweiten Weltkrieg einschließlich der Einwohner und Haustiere von deutschen Einheiten gnadenlos niedergebrannt wurden, die stalinistischen Massengräber bei Kuropaty sowie das Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Maly Trostenez. An diesem Ort befindet sich noch keine Gedenkstätte. Sie soll aber nach den Worten des Präsidenten Alexander Lukaschenko noch gebaut werden.

Ferner besuchte die Delegation in Neswish das imposante Schloss der Fürsten Radzivil (das bis 2010 wieder restauriert sein soll) und den dazu gehörenden zauberhaften, an Seen gelegenen Park Alba, in dem ein Gedenkstein daran erinnert, dass unter einer großen Eiche ebenfalls über 1000 Juden von den Nazis erschossen wurden.

Besonders beeindruckt waren  die Reiseteilnehmer vom Besuch einer weiteren Gedenkstätte, des Mahnmals für die ermordeten Kinder der Welt in Krasnyj Bereg im Südwesten von Weißrussland. Dort wurden  über 1.900 Kinder ausgeblutet, um deutschen verwundeten Soldaten ihr Blut zu „spenden“ (insgesamt sind zu diesem Zweck in Belarus fast 10 000 Kinder umgekommen). Erschüttert war die deutsche Delegation von einem in Marmor gestanzten Brief eines 15jährigen Mädchens, den sie wenige Tage vor ihrem qualvollen Tod an ihren Vater geschrieben hatte.

 

Die Gruppe lernte auch die praktische Arbeit der Vergangenheits-Bewältigung  und Aussöhnung kennen. So besuchte sie die Geschichtswerkstatt Minsk, die auf dem Gelände des ehemaligen Ghettos liegt. Hier treffen sich die überlebenden Opfer zu Arbeitskreisen und Geselligkeit, hier werden Lebensgeschichten von Zeitzeugen aufgezeichnet. Außerdem werden von hier aus Zeitzeugen betreut, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ihre Wohnungen verlassen können. Dabei hilft  das Sozialwerk der jüdischen Gemeinden in Belarus „Hessed Rachamim“. Alte  und kranke ehemalige Zwangsarbeiter und Kinderhäftlinge sind dankbar, auch für die Unterstützung der deutschen Spender für dieses Projekt „Altern in Würde“.  Die Delegation aus dem Siegerland brachte viele ewegende Eindrücke aus dem Nachbarland der EU im Osten nach Hause.


Es gab auch ein Wiedersehen mit Sinaida Gorjatschko, die als Mädchen Zwangsarbeit in Siegen leisten musste  und mit den ehemaligen Ghettohäftlingen Frida Reisman und Maja Krapina. Die Folgen des deutschen Vernichtungskrieges im Osten 1941- 1944 sind in Erinnerung zu halten und die Überlebenden brauchen unsere Unterstützung. Dazu hat die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland ein Spendenkonto eingerichtet.  

 

Fotos: Dr. Alf Seippel und Matthias Tümpel 

Beeindruckende Impressionen einer Reise an den Baikalsee

Ein imposanter 

Anblick: Der

See amTag.   

Und der See beim Sonnenuntergang am Abend.
Der See der Superlative: Er ist der tiefste und älteste der Welt.

Der Schamanenstein (Shamanka) am westlichen Ufer des Baikalsees.

Auch das ist  Sibirien: Die  prächtige Promenade in Irkutsk.

Ein Blick auf die Karte verdeutlicht die Ausmaße. Die dunkle Linie markiert die Leidensstraße der Altgläubigen.

Die traditionelle Tracht der Altgläubigen 

durften auch die Gäste

anprobieren.

Aus Holz gebaut ist dieses Zuhause

der Orthodoxie. Viele Religionen leben nebeneinander am Baikailsee.

Wild lebende  Braunbären  

gibt es nicht wenige in der Taiga.  

Ein typisches Holzhaus der Altgläubigen mit den typischen Farbtupfern. 

Einblick in eine Jurte - das Zelt der Burjaten Baikals. 

 

Rund 2100 Kilometer lang ist sein Ufer, malerisch überall sein Anblick.    
Viele seltene Pflanzen entdeckten die Wanderer auf der kargen Erde.   

Zeichen der

Vielfalt: Eine 

buddhistische Gebetsmühle im ältesten Kloster der Sowjetunion.

Eine zünftige Stärkung

unter freiem Himmel.

Die traditionellen Trachten der Orthodoxen im Museum.

  

Ein ausführlicher Reisebericht folgt. Schauen Sie in Kürze noch einmal vorbei! 

Junge Gewerkschafter diskutieren mit Gregor Gysi und Frank Bsirske

Hochkarätige Gesprächspartner traf eine Gruppe von 15 jungen Mitgliedern der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di auf ihrer Studienfahrt vom 26. bis 30. Mai in Berlin. Unter dem Thema „Sozialpolitik“ trafen sie von der SPD Staatssekretär Klaus Brandner und von den Linken die Bundestagsabgeordneten Gregor Gysi und  Werner Dreibus, sowie den ver.di-Vorsitzenden Frank Bsirske.

Abgerundet wurde der Berlin-Aufenthalt mit einem Projektbesuch bei Jugendlichen in Ausbildung und mit Einblicken in die Zeit des Nationalsozialismus (Jüdisches Museum, Ausstellung Topographie des Terrors, Holocaust-Mahnmal, Gedenkstätte Karlshorst).

Erste Station: Kreuzberg. Die Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus erarbeitet pädagogische Konzepte für Unterrichtseinheiten an Schulen und versucht so eine Annäherung an das Thema aus muslimischer Sicht. Danach ging es weiter zum Bundesministerium für Arbeit und Soziales, wo die Teilnehmer mit dem Staatssekretär und MdB Klaus Brandner (SPD) intensiv über die Rente mit 67 und den aktuellen Armutsbericht diskutierten. Am Nachmittag besuchte die Gruppe im Jüdischen Museum die Ausstellung „Topographie des Terrors“, das Holocaust-Mahnmal und die Gedenkstätte Karlshorst.
Nächste Station: Bundestag. Gregor Gysi, Vorsitzender der Fraktion die Linke, empfing die Gruppe trotz einer für den Nachmittag anberaumten öffentlichen Anhörung zu Stasi-Vorwürfen und diskutierte sozialpolitische Fragestellungen. Nach einer Mittagspause vermittelte MdB Werner Dreibus Einblicke in die Arbeit eines Gewerkschafters in der Bundespolitik. Dritte Station am Donnerstag früh: Ein Besuch beim ver.di- Vorsitzenden Frank Bsirske, bei dem es von jugendpolitischen Themen über den beklagten Neoliberalismus bis hin zur Mitgliederpolitik als große Herausforderung einer Dienstleistungsgewerkschaft ging. Am Nachmittag stand eine spannende Führung durch das Deutsch-Russische Museum auf dem Programm, die die wichtigsten Etappen der gemeinsamen Geschichte vermittelte.

Vierte Station am Freitag: Schon mit Gepäck ging es zum Projekt „Zukunftsbau“ – einer Einrichtung arbeitsloser Jugendlicher – und danach direkt in den IC mit Ziel Ruhrgebiet, wo die Gruppe am Abend „erschöpft, aber mit erweitertem Horizont“ - so ein Teilnehmer - am Abend ankam.

Unser Foto zeigt die Gruppe im Gespräch mit Gregor Gysi. Foto: verdi

Auf kirchlichen Spuren in der Oberlausitz

„Auf kirchlichen Spuren in die Oberlausitz“ reisten 22 Teilnehmer vom 10. bis 15. Juni 2008 in einem Kooperationsangebot von IBB und der Kirchenzeitung „Unsere Kirche“: Im Dreiländereck Deutschland-Tschechien-Polen lernten sie das kirchliche Leben dieser Region in der Geschichte und in der Gegenwart kennen. Untergebracht war die Reisegruppe - ganz dem Thema der Studienfahrt entsprechend - im Kloster Marienthal direkt an der Neiße. Bis heute ist es ein Kloster der Zisterzienserinnen, aber auch seit der Wende eine schöne Bildungsstätte. Die Reisegruppe erkundete von diesem Standort aus Herrnhut, das vielen von seinen „Losungen“ her bekannt ist. Weiter ging es in das wunderschöne Städtchen Görlitz,  wo die Teilnehmer unter anderem ein Gespräch mit dem Landessuperintendenten führen konnten. Daneben lernten sie auch Zittau und das Zittauer Gebirge kennen. Hier gefiel besonders die geschichtsträchtige Klosterruine Oybin. Ein
Tagesausflug führte die Gruppe schließlich ins benachbarte Polen, genau genommen in das frühere Schlesien und dort ins Hirschberger Tal. Die (riesige) Gnadenkirche von Jelenia Gora, die berühmte Stabskirche Wang, aber auch das wunderhübsch restaurierte Schloss Lomnitz standen außerdem auf dem Programm.

Das Bild zeigt die Gruppe vor dem Görlitzer Rathaus.

Mit vielen neuen Kenntnissen zurück aus Istanbul

Imposant: Die Süleymaniye Moschee.
Entspannend: Kaffeepause am Wasser.
Malerisch: Enge Gässchen in Istanbul.
Lehrreich: Eine Begegnung in der Neve-Shalom-Synagoge.

Wie Istanbul zu seiner Bewerbung als Kulturhauptstadt 2010 gekommen ist und warum in der  Neve-Shalom-Synagoge Schutzhelme unter der Bank liegen: Das und noch viel mehr erfuhren die 15 Teilnehmer einer sechstägigen Reise nach Istanbul vom 29. April bis 4. Mai 2008, die das IBB in Kooperation mit dem Evangelischen Kulturbüro organisiert hatte.

Abseits eingetretener Touristenpfade machten sich die Teilnehmer aus Dortmund, Bochum, Köln und Frankfurt - der jüngste von ihnen gerade zwölf Jahre alt -  mal mit der historischen Straßenbahn, mal mit Bussen auf Erkundungstour durch die Stadt. So gewannen die Besucher schon im großstädtischen Verkehrsgetümmel Einblicke in den Alltag der  14- Millionen-Metropole. Erste Besichtigungsstationen der Reise waren das Derwisch-Kloster Mevlevihanesi in Galata, das kleine jüdische  Museum in der ehemaligen Zülfaris-Synagoge  Museum  und die blaue Moschee.

Am zweiten Besuchstag führte der Weg nach Galata in die Welt der sephardischen Juden, die seit ihrer Vertreibung 1492 in Istanbul ansässig sind: In der Neve-Shalom-Synagoge erfuhr die Besuchsgruppe in einem Gespräch mit Rav Adoni, dass es insgesamt 15 Synagogen in der geschichtsträchtigen türkischen Hauptstadt gibt und rund 25 000  türkische Juden, die seit Jahrhunderten als Ärzte, Anwälte, Kaufleute gut in die türkische Gesellschaft integriert sind und größtenteils in Istanbul, zum Teil auch in Izmir und anderen Landesteilen leben. Seit  jedoch zwei schwere Anschläge in den 80er Jahren und 2005 die Mauern und die Menschen erschütterten, gelten strengere Sicherheitsmaßnahmen für die jüdischen Gotteshäuser. Die Anschläge sind auch der traurige Grund, weshalb Helme unter den Bänken bereit liegen.

Am Abend durften die Besucher auf der asiatischen Seite Istanbuls, in Üsküdar, einen Gottesdienst der religiösen Gemeinschaft der Sufies am authentischen Ort besuchen. In einer Art spirituellem Dialog werden Mystiker aus dem zwölften Jahrhundert wie Mevlana, bekannt durch seinen  Wirkungsort Konya  aus dem zwölften Jahrhundert zitiert und zeitgenössisch interpretiert. Beim Besuch der IBB-Reisegruppe ging es gerade um den Begriff „desire“ – den Wunsch, die Sehnsucht, das Verlangen, die Gier. Am Ende der wöchentlichen Versammlung, an der Frauen und Männer gemeinsam teilnehmen, steht jeweils das Sema-Ritual, der traditionelle Tanz der drehenden Derwische, die sich zur Musik von Bambus-Flöten und Schlaginstrumenten in eine Art mystischen Rausch vertiefen, der auch die Zuschauer tief bewegt.

Einen kulturellen Kontrapunkt zum bis dahin religiösen Schwerpunkt des Reiseprogramms setzte schließlich ein Besuch im Kulturhaupstadtbüro „Istanbul2010“: Die Besuchergruppe erfuhr im Stadtteil Beyoglu, dass nicht etwa die Stadtverwaltung auf eine Bewerbung gedrängt hatte, sondern eine Bürgerinitiative und  NGO die Kampagne gestartet hatten. „Soviel Eigeninitiative fand man in Brüssel offenbar sehr attraktiv“, berichtet Organisatorin und Reiseleiterin Hildegard Azimi-Boedecker vom IBB. So wird sich Istanbul 2010 als Stadt der vier Elemente Feuer, Wasser, Erde und Luft präsentieren, auf seine Geschichte verweisen und zukunftsweisende Projekte vorstellen wie den neuen Kulturtempel oberhalb des goldenen Horns, den Stararchitekt Frank Gehry gerade realisiert, das Istanbul Modern Museum und das neue Kulturzentrum im alten E-Werk.
Finanziert wird das Kultur-Jahr übrigens nicht allein durch öffentliche Gelder von Stadt und EU, sondern auch von privaten Sponsoren und Kulturcents, die an Tankstellen als Sonderabgabe auf Kraftstoff vereinnahmt werden, wie die Besucher im Kulturhauptstadtbüro erfuhren. 

Am Sonntag, 4. Mai, trat die Reisegruppe begeistert die Heimreise an. Als eine „in jeder Hinsicht außergewöhnliche Reise“ lobte eine Teilnehmerin die Fahrt in einem Dankschreiben gleich am nächsten Tag.

Antwerpen – so nah und doch so fremd

Einen Eindruck vom Alltag in der großen belgischen Hafenstadt erhielten die Teilnehmer bei der Fahrt über den 1. Mai.
Ein Ausflug in die Geschichte der flämischen Provinz rundete das Reiseprogramm ab.
Die malerische Kulisse des "Groote Markt" gefiel den Teilnehmern ebenso wie der Rundgang durchs jüdische Viertel.

Eine dreitägige Studienfahrt ins fremde, nahe Antwerpen unternahmen 18 Erwachsene mit dem IBB am 1. Mai 2008. Nur zweieinhalb Stunden Autofahrt vom Ruhrgebiet entfernt erlebten die Teilnehmer die belgische Großstadt  als fremdes und doch beeindruckendes Zentrum vieler orthodoxer Juden, die durch ihre traditionelle Kleidung und Haartracht im Stadtbild auffallen.

Das jüdische Antwerpen ist in Europa relativ einmalig. Bei Rundgängen durch das jüdische Viertel, bei Gesprächen und einem gemeinsamen, koscheren Essen erfuhr die Reisegruppe viele interessante Einzelheiten über die Antwerpener Juden. Das Klischee, sie beherrschten den Antwerpener Diamantenhandel, entkräfteten die Gesprächspartner: Der Handel mit den kostbaren Edelsteinen liegt inzwischen weitgehend in indischer Hand.


Aber auch dem Blick in die tragische Vergangenheit widmete das Reiseprogramm Zeit: Über die Ereignisse des Holocaust in Belgien erfuhren die Teilnehmer aus erster Hand von einem jüdischen Zeitzeugen in der Gedenkstätte Mechelen, dem früheren Sammelort für die Deportation.

Antwerpen heute erlebten die Teilnehmer als fünftgrößte Hafenstadt der Welt, unter anderem mit einer Hafenrundfahrt, und auch als kulturelle Hochburg, in der neben dem berühmten Maler Peter Paul Rubens weitere namhafte zeitgenössische flämische Künstler leben. Eine der Schattenseiten der Stadt liegt in dem enormen Wahlerfolg des „Vlaamse Belang“, einer rechtspopulistischen Partei, die mittlerweile 35 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereint. Bei einer spannenden Begegnung mit einem Antwerpener Stadtabgeordneten, einem früheren Parlamentsmitglied, diskutierten die Besucher über den Umgang mit rechten Parteien und über den großen Zwiespalt zwischen dem flämischen und wallonischen Teil Belgiens und über eine drohende Aufspaltung des Landes.

Mit vielen neuen Eindrücken machten sich die Teilnehmer am 3. Mai auf den Heimweg.


2009 wird das IBB die Studienfahrt in das jüdische Antwerpen wieder anbieten.

Ist diese Welt noch zu retten?

Internationales Umweltprojekt "Grüne Brücken bauen" - Studenten aus vier Ländern verwirklichen konkrete Pläne

Die Ufa-Fabrik in Berlin war einer der Orte, den die internationale Teilnehmergruppe in Berlin besuchte. Unser Foto zeigt die Teilnehmer am Übersichtsplan (oben) und bei Huth Solar Performances (unten).

Berlin. Konkrete Projekte haben sich mehr als 30 Studenten aus Deutschland, Italien, Belarus und der Ukraine -- darunter auch vier Stipendiaten des evangelischen Studienwerkes e.V. Villigst in Schwerte - auf ihre Agenda geschrieben während des internationalen Umweltprojektes "Grüne Brücken bauen". Vom 20. bis 27. November 2007 lebten und arbeiteten sie gemeinsam in den Jugendgästeetagen der urban-social gGmbh im Berliner Stadtteil Marzahn.
Ein mit der Universität Kiew zu entwickelndes Monitoring- System zur frühzeitigen Warnung vor Überschwemmungen im Südwesten der Ukraine, verschiedene pädagogische Konzepte zur Umweltbildung bei Kindern und Jugendlichen, eine Informationskampagne zu Recyclingpapier und ein deutsch-englisch-russisch-italienisches Wörterbuch für umweltbezogenes Fachvokabular gehen als Projektideen aus der Werkstatt hervor.

Das Seminar entstand aus der Zusammenarbeit des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerkes Dortmund e. V. (IBB), dem IBB Minsk, der italienischen Umweltorganisation Legambiente, dem westukrainischen Ressourcenzentrum ZURC, der BUND-Jugend Berlin und dem Jugendumweltbüro Hannover. Gefördert wurde es vom Programm Youth in Action der Europäischen Kommision und von der Evangelischen Kirche in Westfalen.

Ein anspruchsvolles Arbeitsprogramm vermittelte Anregungen für die eigenen Projektideen. In verschiedenen Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer mit Themen wie Energieeffizienz, Recycling, Wassernutzung und Verkehr. Die Teilnehmer besuchten verschiedene Berliner Umweltinitiativen und die UFA-Fabrik: Das Kultur- und Umweltzentrum auf dem Gelände der berühmten ehemaligen Filmkopierwerke, stellt die Energie, die es benötigt, dank Solarzellen und einer energiesparenden Bauweise der Gebäude komplett selbst her. Im Berliner Solarlabor Huth Solar Performance gab es Solartechnologie zum Anfassen: Solarbetriebene Motor-Roller, Licht gesteuerte Musikmodule und ein Solardach in Originalgröße.

Achim Riemann von JANUN e. V. aus Hannover berichtete über Geschichte und Entwicklung der Umweltpolitik in Deutschland. Die Vertreter der BUND Jugend Berlin präsentierten laufende Umweltschutzprojekte ihrer Organisation.
Das für die Organisation der Projekte benötigte Handwerkszeug erlernten die engagierten Studenten in Workshops zu den Themen Finanzierung und Öffentlichkeitsarbeit. Anregungen erhielten sie außerdem aus Gesprächen mit verschiedenen Experten. Privatdozent Dr. Lutz Mez, Geschäftsführer der Forschungsstelle für Umweltpolitik der Freien Universität Berlin, machte den Teilnehmern die Brisanz des Klimawandels deutlich und diskutierte mit ihnen über die Effektivität internationaler Umweltschutzabkommen. Annemarie berschmidt, Referentin im Bundesumweltministerium aus der Abteilung Zusammenarbeit mit den Staaten Mittel- und Osteuropas sowie den Neuen unabhängigen Staaten" erzählte von aktuell laufenden Kooperationsprojekten zwischen Deutschland und der Ukraine im Umweltschutzbereich. Mit Bedauern erfuhren die Teilnehmer, dass es aufgrund der angespannten politischen Beziehungen zurzeit keine Kooperationsprojekte mit Belarus gibt.
Nach der gemeinsamen Arbeit an lokalen und internationalen Projektideen meinte der 22jährige Mathematikstudent Jakob Zscheischler aus Berlin: "Es ist schön, meine Erfahrung mit den anderen Teilnehmern vergleichen  zu können und viel über die anderen Länder zu erfahren." Und Roberto Bonacina (22), Slawistikstudent aus Italien, zitierte am Ende des Projektes ganz begeistert den berühmten Kennedy-Ausruf: "Ich bin ein Berliner!"

Gegenbesuche in Italien und den anderen beteiligten Ländern sind schon geplant. Zunächst gilt es aber, die lokalen und internationalen Projektideen zu verwirklichen. Denn den Worten sollen bald Taten folgen.

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