Soziale Arbeit

Bei Veranstaltungen in der IBB "Johannes Rau" wie auch in der Geschichtswerkstatt kommt es immer wieder zu Begegnungen, bei denen das Erinnern der Geschichte im Vordergrund steht. Lernen aus der Geschichte soll Versöhnung möglich machen und erleichtern. Zeitzeugen sprechen in Belarus und Deutschland mit Jugendlichen, die Geschichtswerkstatt fördert Erinnerung und Lernprozesse.

Unser Programm 2011

Soziales Projekt „Treffpunkt - Dialog“

„Treffpunkt-Dialog“ ist die Fortführung des Projekts „Begleitung der Zeitzeugen in Würde“. Als dies im Oktober 2010  auslief, konnte die Weiterführung unter neuem Namen durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gesichert werden. Weitere Förderer sind die Evangelische Kirche von Hessen und Nassau sowie private Spender. Das Projekt richtet  sich in erster Linie an ehemalige Ghetto- und KZ-Häftlinge, ehemalige OstarbeiterInnen sowie Überlebende von vernichteten Dörfern. Die im Rahmen des Projektes angebotenen Interessenszirkel erfreuen sich großer Beliebtheit, weil sie den alten Menschen die Möglichkeit geben, ihre Talente zu pflegen und gleichzeitig miteinander zu kommunizieren. Derzeit gibt es vier Interessenszirkel:„Handarbeit“, „Deutsch“, „Filme meiner Jugend“ und „Traditionen“.

Von besonderer Bedeutung für die Zeitzeugen sind außerdem die „Tage des Jubilars“, an dem runde Geburtstage gemeinsam gefeiert werden, sowie regelmäßige Ausflüge zu Gedenkstätten und historischen Sehenswürdigkeiten in Belarus, an denen sich sowohl Zeitzeugen als auch junge Menschen beteiligen, die im Projekt aktiv mitarbeiten. Für die jungen Freiwilligen, gibt es zusätzliche Angebote, von denen das am meisten herausragende das jährliche Freiwilligenforum zum Erfahrungsaustausch und zur Vernetzung der Freiwilligenarbeit in Belarus ist. 

Zeit                            ganzjährig
Ort                             Geschichtswerkstatt und IBB Minsk
Leitung                      P. Junge-Wentrup, Dr. V. Balakirew, J. Luschtschik

Soziales Projekt „Alte helfen Alten“

Zusätzlich zum Projekt „Begleitung der Zeitzeugen in Würde“ führt die Geschichtswerkstatt das von einer Lüneburger Initiative in den 1990er Jahren gegründete Projekt „Alte helfen Alten“ fort.

Dank der Spenden vor allem deutscher Rentner erhalten Bedürftige alte Menschen aus dem Minsker Stadtbezirk Frunse in der Nähe der Geschichtswerkstatt monatlich eine finanzielle Unterstützung zur Verbesserung ihrer Lebensqualität. Gegenwärtig empfangen etwa 380 bedürftige Personen diese Hilfe.

Durch die Anbindung des Projektes an die Geschichtswerkstatt wird nicht nur die langfristige Weiterführung dieses Projektes gesichert, sondern die Arbeit mit den alten Menschen perspektivisch auch durch die Einbeziehung junger Freiwilligen erweitert.

Zeit                            ganzjährig
Ort                             Frunse-Stadtbezirk 
Leitung                     P. Junge-Wentrup,  Dr. V. Balakirew, L. Timoschischina, A. Belanowitsch, J. Luschtschik

Fortbildungen zum sozialen Auftrag

Das belarussische Sozialministerium plant, einheimische NGOs mit der Durchführung von sozialen Dienstleistungen zu beauftragen. Entsprechende Konzepte wurden durch das dem Ministerium unterstehende Institut für Arbeit in 2009 und 2010 erarbeitet. Das IBB Dortmund hat kompetente deutsche Experten vermittelt, welche im Mai und Juni 2010 in öffentlichen Veranstaltungen und internen Beratungsgesprächen über die deutschen Erfahrungen mit der Vergabe von sozialen Dienstleistungen berichteten. Diese Beratungen zeigten deutlich, dass zur erfolgreichen Einführung des staatlichen Sozialauftrags die Kompetenzen sowohl von NGOs als auch lokalen Behörden und staatlichen sozialen Einrichtungen hinsichtlich der Beschreibung und Kostenberechnung von sozialen Dienstleistungen, der Anwendung von Qualitätsstandards etc. erweitert werden müssen.

Durch die Fortbildungen sollen Vertreter von NGOs, lokalen Behörden und staatlichen sozialen Einrichtungen auf die Einführung des staatlichen Sozialauftrags vorbereitet werden, um eine erfolgreiche Anwendung desselben zu befördern. Nach Abschluss der Pilotphase soll der Kurs in das Lehrprogramm des Fortbildungsinstituts des Sozialministeriums integriert werden, um eine regelmäßige Fortbildung im Bereich staatlicher Sozialauftrag zu ermöglichen. 

Zeit:                     ganzjährig
Ort:                      Minsk
Leitung:              Dr. H. Wohlhüter, R. Sinelnikowa, Dr. A. Sahm
Finanzierung:   Aktion Mensch, Förderprogramm Belarus

 

Studienreise nach Deutschland zum Gemeinnützigkeitsrecht

Die Beratungen zum sozialen Staatsauftrag machten ebenfalls deutlich, dass von den NGOs erwartet wird, dass sie eigene Ressourcen in die soziale Dienstleistung einbringen, mit deren Durchführung sie vom Staat beauftragt werden. Damit diese Erwartungen erfüllt werden können, ist es jedoch erforderlich zu analysieren, welche Möglichkeiten den NGOs zur Akquise von Ressourcen zur Verfügung stehen. Wichtig ist dabei, dass im Land selber genügend Fundraisingmöglichkeiten bestehen. In Deutschland wird beispielsweise die Spendenbereitschaft von Firmen und Privatpersonen dadurch gefördert bzw. honoriert, dass bis zu 4% des Einkommens steuerfrei gespendet werden kann.

Die deutschen Erfahrungen sollen für Entscheidungsträger aus belarussischen Behörden zugänglich gemacht werden, damit sie diese im Dialog mit zivilgesellschaftlichen Organisationen für die evtl. Entwicklung des Rechts eines Gemeinnützigkeitsrechts in Belarus nutzbar machen können. Zu diesem Zwecke sollen zunächst im Februar 2011 Expertengespräche und eine Vortragsveranstaltung in Belarus stattfinden. Die hierdurch entwickelten konkreten Fragestellungen sollen anschließend im Juni 2011 durch eine Studienreise nach Deutschland bearbeitet werden, welche die Möglichkeit gibt, die unterschiedlichen Aspekte des Gemeinnützigkeitsrechts in der Praxis zu studieren.

Zeit                            Juni
Ort                             Deutschland
Leitung                     R. Sinelnikowa, M. Schön, P. Junge-Wentrup, Dr. A. Sahm
Finanzierung           Förderprogramm Belarus

Schule des Energiesparens für alte Menschen

Das Grundprinzip nachhaltiger Entwicklung besteht bekanntlich darin, die Lebensgrundlagen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten und zu verbessern. Dies kann ohne einen aktiven generationenübergreifenden Dialog und neue Kooperationsformen von Menschen unterschiedlichen Alters nicht gelingen. In der Minsker Geschichtswerkstatt stellt die Einbeziehung junger Freiwilliger daher einen zentralen Bestandteil der Erinnerungsarbeit ein. Zusätzlich zu den bereits traditionellen Angeboten steht seit Herbst 2010 erstmals auch das Thema Energieeinsparung im Mittelpunk.

Schüler und Studenten aus dem Umweltklub der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ und dem Ökologischen Gymnasium Nr. 19 analysieren gemeinsam im Laufe von 9 Monaten mit den alten Menschen, welche Möglichkeiten zur Energieeinsparung in ihren privaten Haushalten bestehen. Neben eher theoretischen Unterrichtsstunden sind dabei auch Ausflüge in energieeffiziente Einrichtungen sowie eine gründliche Bestandsaufnahme des Energieverbrauchs in den Wohnungen der Zeitzeugen geplant. Auf der Grundlage dieses „Energieaudits“ können dann praktische Maßnahmen bestimmt werden, mit denen die Zeitzeugen Energie einsparen können. Dies hilft Geld sparen, das die alten Menschen angesichts steigender Energiepreise und knappen Renten dringend benötigen. Und spendet neue Lebensfreude, indem sie gemeinsam mit jungen Menschen Gespräche auch über das Energiethema hinaus führen können.

Zeit:                     bis Juni 2011
Ort:                      Belarus,
Leitung:              Dr. A. Sahm, G. Matuschenko, Dr. N. Samersowa, A. Murawjow, J. Luschtschik
Finanzierung:   Aktion „Hoffnung für Osteuropa“ der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau
Partner:             Stiftung „Lebendige Partnerschaft“

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