25 Jahre Tschernobyl - Wege zu einer transnationalen Erinnerungskultur„Chernobyl“ is a word we would all like to erase from our memory... Yet there are two compelling reasons why this tragedy must not be forgotten. First, if we forget Chernobyl we increase the risk of more such technological and environmental disasters in the future... Secondly, more than seven million of our fellow human beings do not have the luxury of forgetting. They are still suffering... Indeed, the legacy of Chernobyl will be with us, and with our descendants, for generations to come. Kofi Annan, New York 2000 25 Jahre nach Tschernobyl - IBB initiiert eine VeranstaltungsreiheAm 26. April 2011 wird sich die Reaktorexplosion im Atomkraftwerk Tschernobyl zum 25. Mal jähren. Der im April 1986 freigesetzte radioaktive Fall-out betraf alle europäischen Länder. Durch Tschernobyl wurde folglich die mit technologischen Katastrophen verbundene grenzüberschreitende Bedrohung erstmals Realität. Tschernobyl löste daher bei vielen Menschen einen „anthropologischen Schock“ (Ulrich Beck) aus und wurde zu einer gängigen Metapher für globale Umweltkatastrophen und andere große gesellschaftlichen Die Idee: „Tschernobyl: Menschen – Orte – Solidarität“Heute droht die mit Tschernobyl verbundene „letzte Warnung“ (Robert Gale) allerdings zunehmend in Vergessenheit zu geraten. Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund möchte daher mit der Stiftung Mercator und in Kooperation mit dem europäischen Verein EUSTORY sowie der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk im Umfeld des 25. Jahrestags dazu beitragen, die mit Tschernobyl verbundenen drängenden Fragen im europäischen Gedächtnis zu verankern. Auf inhaltlich und methodisch vielfältigen Wegen sollen durch das Prisma Tschernobyl gesellschaftliche Lernprozesse im Umgang mit den globalen Herausforderungen von Gegenwart und Zukunft ermöglicht werden.
Die Bedeutung der Reaktorkatastrophe wird dabei aus drei Blickwinkeln beleuchtet. Unter dem Motto „Menschen – Orte – Solidarität“ werden vergessene oder verdrängte Aspekte von Tschernobyl wieder wahrnehmbar und sichtbar gemacht. Ermöglicht wird dies durch Begegnungen und Diskussionen, in der individuellen Erinnerungsarbeit und durch die historiographische oder alltagsgeschichtliche Nachforschung. Um der grenzüberschreitenden Bedeutung von Tschernobyl gerecht zu werden, ist bei allen Maßnahmen und Veranstaltungen ein europäischer Bezugsrahmen gegeben. Schwerpunkt Menschen: „Vergessene Retter Europas“Die Dimension einer Katastrophe wie die von Tschernobyl erschließt sich nicht nur in der Nennung von Zahlen, begreifbar wird das Unfassbare erst im individuellen Schicksal: Für Millionen von Menschen in Belarus, der Ukraine und Russland stellte der 26. April 1986 einen einschneidenden biographischen 50 belarussische und ukrainische Menschen mit unterschiedlichen biographischen Hintergründen (Feuerwehrleute, Soldaten, Ärzte, Ingenieure, etc.) werden daher in Interviews und Zeitzeugengesprächen zu Wort kommen. Sie erhalten die Möglichkeit, von Januar bis April 2011 an 25 Orten, in Schulen oder Abendveranstaltungen, von ihrem Leben, ihren Erfahrungen und den konkreten Folgen von Tschernobyl zu berichten. Schwerpunkt Erinnerungsorte: „Tschernobyl war überall“Tschernobyl ist ein kleiner Ort im Norden der Ukraine, der nur 15 Kilometer von der belarussischen Grenze entfernt liegt. Vor dem 26. April 1986 hatten wenige Europäer von ihm gehört. Drei Tage nach der Reaktorexplosion war der Standort des Kernkraftwerks in aller Munde. Im Rahmen des Akademieprogramms von EUSTORY fragen 25 Jahre später 50 junge Menschen aus ganz Europa, die zum Zeitpunkt des Unglücks noch nicht geboren waren, wie die Katastrophe damals in ihrem Heimatort wahrgenommen wurde. Schwerpunkt Europäische Solidarität: „Grenzen überwinden“Wenig bekannt ist die Tatsache, dass Tschernobyl eine beispiellose internationale Solidaritätsbewegung ins Leben gerufen hat. Zahllose Initiativen haben in den letzen zwei Jahrzehnten ein breites Spektrum an grenzüberschreitender Hilfe und Partnerschaft entwickelt: Von der Kindererholung, der medizinischen und technischen Unterstützung bis zu sozialen oder ökologischen Projekten. Allein in Deutschland haben sich in den 1990er Jahren über 1000 Initiativen gebildet, die durch Spenden und ehrenamtliche Arbeit in Belarus und der Ukraine zum großen Teil bis heute umfangreiche Hilfen leisten. Zwischen dem 26. April 2010 und dem 26. April 2011 wird wöchentlich die Geschichte einer europäischen Hilfsorganisation im Selbstporträt vorgestellt. Es gibt Auskunft über die Entstehung und Entwicklung der Initiativen, über Motive, Probleme und Erfolge ihrer Projektpartnerschaften.
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