Zeitzeuginnen und Zeitzeugen

Erzählte Geschichte

Bei den Fahrten des IBB sowohl mit Jugendlichen als auch mit Erwachsenen zum Thema Nationalsozialismus zeigt sich immer wieder, wie beeindruckend Gespräche mit Zeitzeugen und Zeitzeuginnen sind. Sie stellen immer eine Ergänzung zur Geschichtsrecherche im Rahmen unserer Seminare dar.

Gespräche mit Zeitzeugen gehören zu den aufregendsten Erlebnissen bei einer historischen Spurensuche. Dabei geht es darum, auf der Basis lebensgeschichtlicher Berichte und Befragungen dazu, den Erfahrungen der Menschen nachzuspüren. Auf diese Art ist hautnah zu spüren, dass Geschichte nichts Steriles und Lebensfernes ist, sondern jede und jeden ganz unmittelbar betrifft.

Zeitzeugen vermitteln ihre ganz persönliche Sichtweise und atmosphärischen Eindrücke. Gerade diese "subjektive" Qualität macht die Auskünfte der Zeitzeugen interessant und beeindruckend.

Ein Zeitzeugengespräch kann dazu beitragen, Sachverhalte zu erhellen, zu denen schriftliche Aufzeichnungen fehlen. Es kann Zusammenhänge herstellen, die in Quellen wenig Berücksichtigung finden, und nicht zuletzt kann es Alltagserfahrungen vermitteln, die in der Regel in anderen Quellen wenig bis gar keine Aufmerksamkeit erfahren.

Es gibt immer noch Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, gerade auch mit Jugendlichen über ihre Erfahrungen während des Nationalsozialismus zu sprechen und so dazu beizutragen, dass sich Geschichte nicht wiederholt.

Laden Sie einen der uns bekannten Zeitzeugen zu Ihrer Gruppe ein!
 

Projekte mit belarussischen Zeitzeugen der Nazi-Gewalt

Als IBB engagieren wir uns seit Jahren in der Versöhnung mit den Opfern des deutschen Vernichtungskrieges in der Sowjetunion. Zusammen mit unseren Partnern, der belarussischen Stiftung Verständigung und Versöhnung und dem Verband der ehemaligen KZ-Häftlinge organisieren wir regelmäßig Gespräche mit Zeitzeugen für deutsche Gruppen in Belarus und vergleichbare Veranstaltungen in Deutschland.
 

Zeitzeugenreisen nach Deutschland

1998 luden wir anlässlich der Eröffnung der Wehrmachtsausstellung in Münster eine Gruppe belarussischer Zeitzeugen nach Deutschland ein. In Kirchengemeinden, Schulen und bei anderen Veranstaltungen berichteten sie über ihr mit Nazi-Deutschland verbundenes Schicksal.
Zum 60. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion luden wir im Juni 2001 eine 50-köpfige Delegation belarussischer Überlebender zu einer Reise nach Nordrhein-Westfalen ein. Einen Großteil der Reise verbrachten die Zeitzeugen in kleinen Gruppen in Bielefeld, Münster, Solingen, Wuppertal, Essen, Köln, Bonn und Dortmund. Hier trafen sie mit antifaschistischen Menschen und Initiativen zusammen, die vor Ort Gespräche und Veranstaltungen organisierten. Zwangsarbeiter aus den jeweiligen Städten erhielten so eine Gelegenheit, die Orte ihrer Verschleppung wiederzusehen.
 

Patenschaftsprojekt mit ehemaligen Zwangsarbeitern

Zwei Jahre lang unterhielt die IBB-Regionalgruppe in Münster ein Patenschaftsprogramm für Belarussen, die während des Zweiten Weltkrieges in diese Stadt zur Zwangsarbeit verschleppt worden waren. Auch nach Auslaufen des ursprünglichen Projekts tragen die entstandenen persönlichen Freundschaften zwischen ehemaligen Zwangsarbeitern und deutschen Paten. Anstelle individueller Patenschaften unterstützt die Regionalgruppe derzeit die Betreuung von kranken Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern.

Infolge der Aufarbeitung der persönlichen Geschichten der ehemaligen belarussischen "Ostarbeiter und -arbeiterinnen" soll auch die Stadtgeschichte von Münster aufgearbeitet und ergänzt werden. Vorgesehen sind weitere Begegnungsreisen von ehemaligen belarussischen Zwangsarbeitern nach Deutschland, die vor allem zu Gesprächen mit ihren Paten und deutschen Jugendlichen genutzt werden sollen.

In Anlehnung an das Patenschaftsprojekt hatten sich die von Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel zu einem ähnlichen Projekt entschlossen. Auch in Düsseldorf entstand mit Unterstützung des IBB eine entsprechende Initiative.




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